Erster Chor. (Cajetan.)
Weisere Fassung
Ziemet dem Alter,
Ich, der Vernünftige, grüße zuerst. (Zu dem zweiten Chor.)

Sei mir willkommen,
Der du mit mir
Gleiche Gefühle
Brüderlich theilend,
Dieses Palastes
Schützende Götter
Fürchtend verehrst!
Weil sich die Fürsten gütlich besprechen,
Wollen auch wir jetzt Worte des Friedens
Harmlos wechseln mit ruhigem Blut,
Denn auch das Wort ist, das heilende, gut.
Aber treff' ich dich draußen im Freien,
Da mag der blutige Kampf sich erneuen,
Da erprobe das Eisen den Muth.

Der ganze Chor.
Aber treff ich dich draußen im Freien,
Da mag der blutige Kampf sich erneuen,
Da erprobe das Eisen den Muth.

Erster Chor. (Berengar.)
Dich nicht hass' ich! Nicht du bist mein Feind!
Eine Stadt ja hat uns geboren,
Jene sind ein fremdes Geschlecht.
Aber wenn sich die Fürsten befehden,
Müssen die Diener sich morden und tödten,
Das ist die Ordnung, so will es das Recht.

Zweiter Chor. (Bohemund.)
Mögen sie's wissen,
Warum sie sich blutig
Hassend bekämpfen! Mich ficht es nicht an.
Aber wir fechten ihre Schlachten;
Der ist kein Tapfrer, kein Ehrenmann,
Der den Gebieter läßt verachten.

Der ganze Chor.
Aber wir fechten ihre Schlachten;
Der ist kein Tapfrer, kein Ehrenmann,
Der den Gebieter läßt verachten.

Einer aus dem Chor. (Berengar.)
Hört, was ich bei mir selbst erwogen,
Als ich müßig daher gezogen,
Durch des Korus hochwallende Gassen,
Meinen Gedanken überlassen.

Wir haben uns in des Kampfes Wuth
Nicht besonnen und nicht berathen,
Denn uns bethörte das brausende Blut.

Sind sie nicht unser, diese Saaten?
Diese Ulmen, mit Reben umsponnen,
Sind sie nicht Kinder unsrer Sonnen?
Könnten wir nicht in frohem Genuß
Harmlos vergnügliche Tage spinnen,
Lustig das leichte Leben gewinnen?
Warum ziehn wir mit rasendem Beginnen
Unser Schwert für das fremde Geschlecht?
Es hat an diesem Boden kein Recht.
Auf dem Meerschiff ist es gekommen
Von der Sonne röthlichem Untergang;
Gastlich haben wir's aufgenommen
(Unsre Väter! Die Zeit ist lang),
Und jetzt sehen wir uns als Knechte,
Unterthan diesem fremden Geschlechte!

Ein Zweiter. (Manfred.)
Wohl! Wir bewohnen ein glückliches Land,
Das die himmelumwandelnde Sonne
Ansieht mit immer freundlicher Helle,
Und wir können es fröhlich genießen;
Aber es läßt sich nicht sperren und schließen,
Und des Meers rings umgebende Welle,
Sie verräth uns dem kühnen Corsaren,
Die die Küste verwegen durchkreuzt.
Einen Segen haben wir zu bewahren,
Der das Schwert nur des Fremdlings reizt.
Sklaven sind wir in den eigenen Sitzen,
Das Land kann seine Kinder nicht schützen.
Nicht, wo die goldene Ceres lacht
Und der friedliche Pan, der Flurenbehüter,
Wo das Eisen wächst in der Berge Schacht,
Da entspringen der Erde Gebieter.