Dich liebt' ich, wie ich nichts zuvor geliebt,
Da du noch eine Fremde für mich warst.
Weil ich dich liebte über alle Grenzen,
Trag' ich den schweren Fluch des Brudermords,
Liebe zu dir war meine ganze Schuld.
—Jetzt bist du meine Schwester, und dein Mitleid
Fordr' ich von dir als einen heil'gen Zoll.

(Er sieht sie mit ausforschenden Blicken und schmerzlicher
Erwartung an, dann wendet er sich mit Heftigkeit von ihr.)

Nein, nein, nicht sehen kann ich diese Thränen—
In dieses Todten Gegenwart verläßt
Der Muth mich, und die Brust zerreißt der Zweifel—
—Laß mich im Irrthum! Weine im Verborgnen!
Sieh nie mich wieder—niemals mehr—Nicht dich,
Nicht deine Mutter will ich wieder sehen,
Sie hat mich nie geliebt! Verrathen endlich
Hat sich ihr Herz, der Schmerz hat es geöffnet.
Sie nannt' ihn ihren bessern Sohn!—So hat sie
Verstellung ausgeübt ihr ganzes Leben!
—Und du bist falsch, wie sie! Zwinge dich nicht!
Zeig' deinen Abscheu! Mein verhaßtes Antlitz
Sollst du nicht wieder sehn! Geh hin auf ewig!

(Er geht ab. Sie steht unschlüssig, im Kampf widersprechender
Gefühle, dann reißt sie sich los und geht.)

Siebenter Auftritt.

Chor. (Cajetan.) — — — — — — —
Wohl Dem! Selig muß ich ihn preisen,
Der in der Stille der ländlichen Flur,
Fern von des Lebens verworrenen Kreisen,
Kindlich liegt an der Brust der Natur.
Denn das Herz wird mir schwer in der Fürsten Palästen,
Wenn ich herab vom Gipfel des Glücks
Stürzen sehe die Höchsten, die Besten
In der Schnelle des Augenblicks!

Und auch Der hast sich wohl gebettet,
Der aus der stürmischen Lebenswelle,
Zeitig gewarnt, sich heraus gerettet
In des Klosters friedliche Zelle,
Der die stachelnde Sucht der Ehren
Von sich warf und die eitle Lust
Und die Wünsche, die ewig begehren,
Eingeschläfert in ruhiger Brust.
Ihn ergreift in dem Lebensgewühle
Nicht der Leidenschaft wilde Gewalt,
Nimmer in seinem stillen Asyle
Sieht er der Menschheit traur'ge Gestalt.
Nur in bestimmter Höhe ziehet
Das Verbrechen hin und das Ungemach,
Wie die Pest die erhabnen Orte fliehet,
Dem Qualm der Städte wälzt es sich nach.

(Berengar, Bohemund und Manfred.)
Auf den Bergen ist Freiheit! Der Hauch der Grüfte
Steigt nicht hinauf in die reinen Lüfte;
Die Welt ist vollkommen überall,
Wo der Mensch nicht hinkommt mit seiner Qual.

(Der ganze Chor wiederholt.)
Auf den Bergen u. s. w.

Achter Auftritt.