THIBAUT. Bemerktest du, wie ihre Schritte wankten,
Wie bleich und wie verstört ihr Antlitz war!
Die Unglückselige fühlt ihren Zustand,
Das ist der Augenblick, mein Kind zu retten,
Ich will ihn nutzen.
(Er will gehen)
RAIMOND. Bleibt! Was wollt Ihr tun?
THIBAUT. Ich will sie überraschen, will sie stürzen
Von ihrem eiteln Glück, ja mit Gewalt
Will ich zu ihrem Gott, dem sie entsagt,
Zurück sie führen.
RAIMOND. Ach! Erwägt es wohl!
Stürzt Euer eigen Kind nicht ins Verderben!
THIBAUT. Lebt ihre Seele nur, ihr Leib mag sterben.
(Johanna stürzt aus der Kirche heraus, ohne ihre Fahne, Volk
dringt zu ihr, adoriert sie rund küßt ihre Kleider, sie wird
durch das Gedränge im Hintergrunde aufgehalten)
Sie kommt! Sie ists! Bleich stürzt sie aus der Kirche,
Es treibt die Angst sie aus dem Heiligtum,
Das ist das göttliche Gericht, das sich
An ihr verkündiget!—
RAIMOND. Lebt wohl!
Verlangt nicht, daß ich länger Euch begleite!
Ich kam voll Hoffnung und ich geh voll Schmerz.
Ich habe Eure Tochter wieder gesehn,
Und fühle, daß ich sie aufs neu verliere!
(Er geht ab, Thibaut entfernt sich auf der entgegengesetzten Seite)
VIERTER AUFZUG
Neunter Auftritt
Johanna. Volk. Hernach ihre Schwestern
JOHANNA (hat sich des Volks erwehrt und kommt vorwärts).
Ich kann nicht bleiben—Geister jagen mich,
Wie Donner schallen mir der Orgel Töne,
Des Doms Gewölbe stürzen auf mich ein,
Des freien Himmels Weite muß ich suchen!
Die Fahne ließ ich in dem Heiligtum,
Nie, nie soll diese Hand sie mehr berühren!
—Mir wars, als hält ich die geliebten Schwestern,
Margot und Louison, gleich einem Traum
An mir vorüber gleiten sehen.—Ach!
Es war nur eine täuschende Erscheinung!
Fern sind sie, fern und unerreichbar weit,
Wie meiner Kindheit, meiner Unschuld Glück!