SOLDAT. Ein schwer Verwundeter wird dort geführt.
Viel Volk sprengt ihm zu Hülf, es ist ein Fürst.
ISABEAU. Der Unsern einer oder Fränkischen?
SOLDAT. Sie lösen ihm den Helm, Graf Dunois ists.
JOHANNA (greift mit krampfhafter Anstrengung in ihre Ketten).
Und ich bin nichts als ein gefesselt Weib!
SOLDAT. Sie! Halt! Wer trägt den himmelblauen Mantel
Verbrämt mit Gold,
JOHANNA (lebhaft). Das ist mein Herr, der König!
SOLDAT. Sein Roß wird scheu—es überschlägt sich—stürzt,
Er windet schwer arbeitend sich hervor—
(Johanna begleitet diese Worte mit leidenschaftlichen Bewegungen)
Die Unsern nahen schon in vollem Lauf—
Sie haben ihn erreicht—umringen ihn—
JOHANNA. O hat der Himmel keine Engel mehr!
ISABEAU (hohnlachend). Jetzt ist es Zeit! Jetzt, Retterin, errette!
JOHANNA (stürzt auf die Knie, mit gewaltsam heftiger Stimme betend).
Höre mich, Gott, in meiner höchsten Not,
Hinauf zu dir, in heißem Flehenswunsch,
In deine Himmel send ich meine Seele.
Du kannst die Fäden eines Spinngewebs
Stark machen wie die Taue eines Schiffs,
Leicht ist es deiner Allmacht, ehrne Bande
In dünnes Spinngewebe zu verwandeln—
Du willst und diese Ketten fallen ab,
Und diese Turmwand spaltet sich—du halfst
Dem Simson, da er blind war und gefesselt,
Und seiner stolzen Feinde bittern Spott
Erduldete.—Auf dich vertrauend faßt' er
Die Pfosten seines Kerkers mächtig an,
Und neigte sich und stürzte das Gebäude—