Questenberg.
Der Kardinal-Infant wird mit dem Frühjahr
Aus Mailand rücken und ein spanisch Heer
Durch Deutschland nach den Niederlanden führen.
Damit er sicher seinen Weg verfolge,
Will der Monarch, daß hier aus der Armee
Acht Regimenter ihn zu Pferd begleiten.
Wallenstein.
Ich merk, ich merk—Acht Regimenter—Wohl!
Wohl ausgesonnen, Pater Lamormain!
Wär' der Gedank' nicht so verwünscht gescheit,
Man wär' versucht, ihn herzlich dumm zu nennen.
Achttausend Pferde! Ja! Ja! es ist richtig,
Ich seh es kommen.
Questenberg.
Es ist nichts dahinter
zu sehn. Die Klugheit rät's, die Not gebeut's.
Wallenstein.
Wie, mein Herr Abgesandter? Ich soll's wohl
Nicht merken, daß man's müde ist, die Macht,
Des Schwertes Griff in meiner Hand zu sehn?
Daß man begierig diesen Vorwand hascht,
Den span'schen Namen braucht, mein Volk zu mindern,
Ins Reich zu führen eine neue Macht,
Die mir nicht untergeben sei. Mich so
Gerad beiseit' zu werfen, dazu bin ich
Euch noch zu mächtig. Mein Vertrag erheischt's,
Daß alle Kaiserheere mir gehorchen,
So weit die deutsche Sprach' geredet wird.
Von span'schen Truppen aber und Infanten,
Die durch das Reich als Gäste wandernd ziehn,
Steht im Vertrage nichts—Da kommt man denn
So in der Stille hinter ihm herum,
Macht mich erst schwächer, dann entbehrlich, bis
Man kürzeren Prozeß kann mit mir machen.
—Wozu die krummen Wege, Herr Minister?
Gerad heraus! Den Kaiser drückt das Paktum
Mit mir. Er möchte gerne, daß ich ginge.
Ich will ihm den Gefallen tun, das war
Beschloßne Sache, Herr, noch eh' Sie kamen.
(Es entsteht eine Bewegung unter den Generalen, welche immer zunimmt.)
Es tut mir leid um meine Obersten,
Noch seh ich nicht, wie sie zu ihren vorgeschoßnen Geldern,
Zum wohlverdienten Lohne kommen werden.
Neu Regiment bringt neue Menschen auf,
Und früheres Verdienst veraltet schnell.
Es dienen viel Ausländische im Heer,
Und war der Mann nur sonsten brav und tüchtig,
Ich pflegte eben nicht nach seinem Stammbaum
Noch seinem Katechismus viel zu fragen.
Das wird auch anders werden künftighin!
Nun—mich geht's nichts mehr an.
(Er setzt sich.)
Max.
Da sei Gott für,
Daß es bis dahin kommen soll!—Die ganze
Armee wird furchtbar gärend sich erheben—
Der Kaiser wird mißbraucht, es kann nicht sein.
Isolani.
Es kann nicht sein, denn alles ging' zu Trümmern.
Wallenstein.
Das wird es, treuer Isolan. Zu Trümmern
wird alles gehn, was wir bedächtig bauten.
Deswegen aber find't sich doch ein Feldherr,
Und auch ein Kriegsheer läuft noch wohl dem Kaiser
Zusammen, wenn die Trommel wird geschlagen.
Max. (geschäftig, leidenschaftlich von einem zum andern
gehend und sie besänftigend)
Hör mich, mein Feldherr! Hört mich , Obersten!
Laß dich beschwören, Fürst! Beschließe nichts,
Bis wir zusammen Rat gehalten, dir
Vorstellungen getan—Kommt, meine Freunde!
Ich hoff, es ist noch alles herzustellen.
Terzky.
Kommt, kommt! im Vorsaal treffen wir die andern.
(Gehen.)