Ha! du mit der drei und zwanzigfachen Wunde!
Wer rief Todter dich an's Licht?
Schaudre rückwärts, zu des Orkus Schlunde,
Stolzer Weiner! Triumphire nicht!
Auf Philippi's eisernem Altare
Raucht der Freiheit letztes Opferblut;
Rom verröchelt über Brutus Bahre,
Brutus geht zu Minos — Kreuch in deine Flut.

Cäsar.

O ein Todesstoß von Brutus Schwerte!
Auch du — Brutus — du?
Sohn — es war dein Vater — Sohn — die Erde
Wär gefallen dir als Erbe zu!
Geh — du bist der gröste Römer worden,
Da in Vaters Brust dein Eisen drang,
Geh — und heul es bis zu jenen Pforten:
Brutus ist der gröste Römer worden,
Da in Vaters Brust sein Eisen drang.
Geh — du weißts nun, was an Lethes Strande
Mich noch bannte —
Schwarzer Schiffer, stoß vom Lande!

Brutus.

Vater halt! — Im ganzen Sonnenreiche
Hab ich Einen nur gekannt,
Der dem großen Cäsar gleiche:
Diesen Einen hast du Sohn genannt.
Nur ein Cäsar mochte Rom verderben,
Nur nicht Brutus mochte Cäsar stehn,
Wo ein Brutus lebt, muß Cäsar sterben;
Geh du linkwärts, laß mich rechtwärts gehn.

(Er legt die Laute hin, geht tiefdenkend auf und nieder.)

Wer mir Bürge wäre? — — Es ist alles so finster — verworrene Labyrinthe — kein Ausgang — kein leitendes Gestirn — wenns aus wäre mit diesem letzten Othemzug — Aus wie ein schaales Marionettenspiel — Aber wofür der heiße Hunger nach Glückseligkeit? Wofür das Ideal einer unerreichten Vollkommenheit? Das Hinausschieben unvollendeter Plane? — wenn der armselige Druck dieses armseligen Dings (die Pistolen vors Gesicht haltend) den Weisen dem Thoren — den Feigen dem Tapfern — den Edlen dem Schelmen gleich macht? — Es ist doch eine so göttliche Harmonie in der seelenlosen Natur, warum sollte dieser Mißklang in der vernünftigen seyn? — Nein! Nein! es ist etwas mehr, denn ich bin noch nicht glücklich gewesen.

Glaubt ihr, ich werde zittern? Geister meiner Erwürgten! ich werde nicht zittern. (Heftig zitternd.) — Euer banges Sterbegewinsel — euer schwarzgewürgtes Gesicht — eure fürchterlich klaffenden Wunden sind ja nur Glieder einer unzerbrechlichen Kette des Schicksals, und hängen zuletzt an meinen Feyerabenden, an den Launen meiner Ammen und Hofmeister, am Temperament meines Vaters, am Blut meiner Mutter. — (von Schauer geschüttelt) Warum hat mein Perillus einen Ochsen aus mir gemacht, daß die Menschheit in meinem glühenden Bauche bratet?

(Er setzt die Pistolen an.) Zeit und Ewigkeit — gekettet an einander durch ein einzig Moment! — Grauser Schlüssel, der das Gefängniß des Lebens hinter mir schließt, und vor mir aufriegelt die Behausung der ewigen Nacht — sage mir — o sage mir — wohinwohin wirst du mich führen? — Fremdes, nie umsegeltes Land! — Siehe, die Menschheit erschlafft unter diesem Bilde, die Spannkraft des Endlichen läßt nach, und die Phantasey, der muthwillige Affe der Sinne, gaukelt unserer Leichtgläubigkeit seltsame Schatten vor — Nein! Nein! Ein Mann muß nicht straucheln — Sey wie du willst, namenloses Jenseits — bleibt mir nur dieses mein Selbst getreu — Sey wie du willst, wenn ich nur mich selbst mit hinübernehme — Außendinge sind nur der Anstrich des Manns — Ich bin mein Himmel und meine Hölle.

Wenn du mir irgend einen eingeäscherten Weltkreis allein ließest, den du aus deinen Augen verbannt hast, wo die einsame Nacht, und die ewige Wüste meine Aussichten sind? — Ich würde dann die schweigende Oede mit meinen Phantasien bevölkern, und hätte die Ewigkeit zur Musse, das verworrene Bild des allgemeinen Elends zu zergliedern. — Oder willst du mich durch immer neue Geburten und immer neue Schauplätze des Elends von Stufe zu Stufe — zur Vernichtung — führen? Kann ich nicht die Lebensfäden, die mir jenseits gewoben sind, so leicht zerreissen, wie diesen? — Du kannst mich zu nichts machen — Diese Freyheit kannst du mir nicht nehmen. (Er ladet die Pistole. Plötzlich hält er inne.) Und soll ich für Furcht eines qualvollen Lebens sterben? — Soll ich dem Elend den Sieg über mich einräumen? — Nein! ich wills dulden. (Er wirft die Pistole weg.) Die Qual erlahme an meinem Stolz! Ich wills vollenden. (Es wird immer finstrer.)