Moor. Hier steckt ein Geheimniß — Heraus! Sprich! Ich will alles wissen.
Die Stimme. (Aus dem Schloß.) Weh! Weh! Bist du's, Herrmann, der da redet? Mit wem redst du, Herrmann?
Moor. Drunten noch jemand — Was geht hier vor? (Läuft dem Thurme zu.) Ist's ein Gefangener, den die Menschen abschüttelten? — Ich will seine Ketten lösen. — Stimme! noch einmal! wo ist die Thüre?
Herrmann. O habt Barmherzigkeit, Herr — dringt nicht weiter, Herr — geht aus Erbarmen vorüber! (Verrennt ihm den Weg.)
Moor. Vierfach geschlossen! Weg da — Es muß heraus — Itzt zum erstenmal komm mir zu Hülfe, Dieberey! (Er nimmt Brechinstrumente, und öffnet das Gitterthor. Aus dem Grunde steigt ein Alter, ausgemergelt wie ein Gerippe.)
Der Alte. Erbarmen einem Elenden! Erbarmen!
Moor. (Springt erschrocken zurück.) Das ist meines Vaters Stimme!
D. a. Moor. Habe Dank, o Gott! Erschienen ist die Stunde der Erlösung.
Moor. Geist des alten Moors! Was hat dich beunruhigt in deinem Grabe? Hast du eine Sünde in jene Welt geschleppt, die dir den Eingang in die Pforten des Paradieses verrammelt? Ich will Messen lesen lassen, den irrenden Geist in seine Heymath zu senden. Hast du das Gold der Wittwen und Waisen unter die Erde vergraben, das dich zu dieser mitternächtlichen Stunde heulend herumtreibt, ich will den unterirdischen Schatz aus den Klauen des Zauberdrachen reissen, und wenn er tausend rothe Flammen auf mich speyt, und seine spitzen Zähne gegen meinen Degen blöckt, oder kommst du, auf meine Fragen die Räthsel der Ewigkeit zu entfalten? Rede, rede! ich bin der Mann der bleichen Furcht nicht.
D. a. Moor. Ich bin kein Geist. Taste mich an, ich lebe, o ein elendes, erbärmliches Leben!