Schenke an den Gränzen von Sachsen.
Karl von Moor (in ein Buch vertieft.) Spiegelberg (trinkend am Tisch.)
Karl v. Moor (legt das Buch weg.) Mir eckelt vor diesem Tintenkleksenden Seculum, wenn ich in meinem Plutarch lese von großen Menschen.
Spiegelberg (stellt ihm ein Glas hin, und trinkt.) Den Josephus mußt du lesen.
Moor. Der lohe Lichtfunke Prometheus ist ausgebrannt, dafür nimmt man itzt die Flamme von Berlappenmehl — Theaterfeuer, das keine Pfeife Tabak anzündet. Da krabbeln sie nun, wie die Ratten auf der Keule des Herkules, und studiren sich das Mark aus dem Schädel, was das für ein Ding sey, das er in seinen Hoden geführt hat? Ein französischer Abbé docirt, Alexander sey ein Haasenfuß gewesen, ein schwindsüchtiger Professor hält sich bei jedem Wort ein Fläschgen Salmiakgeist vor die Nase, und liest ein Collegium über die Kraft. Kerls, die in Ohnmacht fallen, wenn sie einen Buben gemacht haben, kritteln über die Taktik des Hannibals — feuchtohrige Buben fischen Phrases aus der Schlacht bei Kannä, und greinen über die Siege des Scipio, weil sie sie exponiren müssen.
Spiegelberg. Das ist ja recht Alexandrinisch geflännt.
Moor. Schöner Preiß für euren Schweiß in der Feldschlacht, daß ihr jetzt in Gymnasien lebet, und eure Unsterblichkeit in einem Bücherriemen mühsam fortgeschleppt wird. Kostbarer Ersatz eures verpraßten Blutes, von einem Nürnberger Krämer um Lebkuchen gewickelt — oder, wenn's glücklich geht, von einem französischen Tragödienschreiber auf Stelzen geschraubt, und mit Drahtfäden gezogen zu werden. Hahaha!
Spiegelberg (trinkt.) Lies den Josephus, ich bitte dich drum.
Moor. Pfui! Pfui über das schlappe Kastraten-Jahrhundert, zu nichts nütze, als die Thaten der Vorzeit wiederzukäuen, und die Helden des Alterthums mit Kommentationen zu schinden und zu verhunzen mit Trauerspielen. Die Kraft seiner Lenden ist versiegen gegangen, und nun muß Bierhefe den Menschen fortpflanzen helfen.
Spiegelberg. Thee, Bruder, Thee!