Amalia. Bräutigam, Bräutigam, du rasest! Ha! Vor Entzückung! Warum bin ich auch so fühllos, mitten im Wonnewirbel so kalt?
D. a. Moor (sich aufraffend.) Bräutigam? Tochter! Tochter! Ein Bräutigam?
Amalia. Ewig sein! Ewig, ewig, ewig mein! — Oh ihr Mächte des Himmels! Entlastet mich dieser tödlichen Wollust, daß ich nicht unter der Bürde vergehe!
R. Moor. Reißt sie von meinem Halse! Tödtet sie! Tödtet ihn! mich! euch! alles! Die ganze Welt geh zu Grunde! (Er will davon.)
Amalia. Wohin? was? Liebe Ewigkeit! Wonn Unendlichkeit, und du fliehst?
R. Moor. Weg, weg! — Unglückseligste der Bräute! — Schau selbst, frage selbst, höre! — Unglückseligster der Väter! Laß mich immer ewig davon rennen!
Amalia. Haltet mich! Um Gottes willen, haltet mich! — Es wird mir so Nacht vor den Augen — Er flieht!
R. Moor. Zu spät! Vergebens! Dein Fluch, Vater, — frage mich nichts mehr! — ich bin, ich habe — dein Fluch — dein vermeinter Fluch! — Wer hat mich hergelockt? (Mit gezogenem Degen auf die Räuber losgehend.) Wer von euch hat mich hieher gelockt, ihr Kreaturen des Abgrunds? So vergeh dann, Amalia! — Stirb, Vater! Stirb durch mich zum drittenmal! — Diese, deine Retter, sind Räuber und Mörder! Dein Karl ist ihr Hauptmann! (Der alte Moor gibt seinen Geist auf.)
Amalia (steht stumm, und starr wie eine Bildsäule. Die ganze Bande in fürchterlicher Pause.)
R. Moor (wider eine Eiche rennend.) Die Seelen derer, die ich erdrosselte im Taumel der Liebe — derer, die ich zerschmetterte im heiligen Schlaf, derer, — hahaha! Hört ihr den Pulverthurm knallen über der Kreisenden Stühlen? Seht ihr die Flammen schlagen an den Wiegen der Säuglinge? das ist Brautfackel, das ist Hochzeitmusik — oh, er vergißt nicht, er weiß zu knüpfen — darum von mir die Wonne der Liebe! darum mir zur Folter die Liebe! das ist Vergeltung!