Die Räuber (durcheinander, reissen ihre Kleider auf.) Schau her, schau! Kennst du diese Narben? du bist unser! Mit unserm Herzblut haben wir dich zum Leibeigenen angekauft, unser bist du, und wenn der Erzengel Michael mit dem Moloch ins Handgemeng kommen sollte! — Marsch mit uns, Opfer um Opfer! Amalia für die Bande!

R. Moor (läßt ihre Hand fahren.) Es ist aus! — Ich wollte umkehren und zu meinem Vater geh'n, aber der im Himmel sprach, es soll nicht seyn. (Kalt.) Blöder Thor ich, warum wollt' ich es auch? Kann denn ein grosser Sünder noch umkehren? Ein grosser Sünder kann nimmermehr umkehren, das hätt' ich längst wissen können — Sey ruhig, ich bitte dich, sey ruhig! so ists ja auch recht — Ich habe nicht gewollt, da er mich suchte, itzt da ich ihn suche, will Er nicht, was ist billiger? — Rolle doch deine Augen nicht so — er bedarf ja meiner nicht. Hat er nicht Geschöpfe die Fülle, Einen kann er so leicht missen, und dieser Eine bin nun ich. — Kommt, Kameraden!

Amalia (reißt ihn zurück.) Halt, halt! Einen Stoß! einen Todesstoß! Neu verlassen! Zeuch dein Schwert, und erbarme dich!

R. Moor. Das Erbarmen ist zu den Bären geflohen, — ich tödte dich nicht!

Amalia (seine Knie umfassend.) Oh, um Gotteswillen, um aller Erbarmungen willen! Ich will ja nicht Liebe mehr, weiß ja wohl, daß droben unsre Sterne feindlich von einander fliehen, — Tod ist meine Bitte nur. — Verlassen, verlassen! Nimm es ganz in seiner entsetzlichen Fülle, verlassen! Ich kanns nicht überdulden. Du siehst ja, das kann kein Weib überdulden. Tod ist meine Bitte nur! Sieh, meine Hand zittert! Ich habe das Herz nicht, zu stoßen. Mir bangt vor der blitzenden Schneide — dir ists ja so leicht, so leicht, bist ja Meister im Morden, zeuch dein Schwert, und ich bin glücklich!

R. Moor. Willst du allein glücklich seyn? Fort, ich tödte kein Weib!

Amalia. Ha, Würger! du kannst nur die Glücklichen tödten, die Lebenssatten gehst du vorüber! (Kriecht zu den Räubern.) So erbarmet euch meiner, ihr Schüler des Henkers! — Es ist ein so blutdürstiges Mitleid in euren Blicken, das dem Elenden Trost ist — euer Meister ist ein eitler feigherziger Prahler.

R. Moor. Weib, was sagst du? (Die Räuber wenden sich ab.)

Amalia. Kein Freund? auch unter diesen nicht ein Freund? (Sie steht auf.) Nun denn, so lehre mich Dido sterben! (Sie will gehen, ein Räuber zielt.)