R. Moor. Thoren ihr! Zu ewiger Blindheit verdammt! Meynet ihr wohl gar, eine Todsünde werde das Aequivalent gegen Todsünden seyn, meynet ihr die Harmonie der Welt werde durch diesen gottlosen Mißlaut gewinnen? (Wirft ihnen seine Waffen verächtlich vor die Füße.) Er soll mich lebendig haben. Ich gehe, mich selbst in die Hände der Justiz zu überliefern.
Räuber. Legt ihn an Ketten! Er ist rasend worden.
R. Moor. Nicht, als ob ich zweifelte, sie werde mich zeitig genug finden, wenn die oberen Mächte es so wollen. Aber sie möchte mich im Schlaf überrumpeln, oder auf der Flucht ereilen, oder mit Zwang und Schwert umarmen, und dann wäre mir auch das einige Verdienst entwischt, daß ich mit Willen für sie gestorben bin. Was soll ich gleich einem Diebe ein Leben länger verheimlichen, das mir schon lang im Rathe der himmlischen Wächter genommen ist?
Räuber. Laßt ihn hinfahren! Es ist die Groß-Mann-Sucht. Er will sein Leben an eitle Bewunderung setzen.
R. Moor. Man könnte mich darum bewundern. (Nach einigem Nachsinnen.) Ich erinnere mich, einen armen Schelm gesprochen zu haben, als ich herüberkam, der im Taglohn arbeitet und eilf lebendige Kinder hat — Man hat tausend Louisdore geboten, wer den großen Räuber lebendig liefert — dem Mann kann geholfen werden. (Er geht ab.)
Fußnoten
[1] Eine Frau in Paris soll es durch ordentlich angestellte Versuche mit Giftpulvern so weit gebracht haben, daß sie den entfernten Todestag mit ziemlicher Zuverläßigkeit voraus bestimmen konnte. Pfui über unsere Aerzte, die diese Frau im Prognostiziren beschämt!