Schufterle. Wenn ich das verlieren müßte, was ich auf Borgs auf dem Leibe trage, so hätt' ich allenfalls morgen nichts mehr zu verlieren.
Spiegelberg. Also denn! (Er stellt sich mitten unter sie mit beschwörendem Ton.) Wenn noch ein Tropfen deutschen Heldenbluts in euren Adern rinnt — kommt! Wir wollen uns in den böhmischen Wäldern niederlassen, dort eine Räuberbande zusammen ziehen, und — Was gafft ihr mich an? — ist euer Bisgen Muth schon verdampft?
Roller. Du bist wohl nicht der erste Gauner, der über den hohen Galgen weggesehen hat — und doch — Was hätten wir sonst noch für eine Wahl übrig?
Spiegelberg. Wahl? Was? nichts habt ihr zu wählen! Wollt ihr im Schuldthurm stecken, und zusammenschnurren, bis man zum jüngsten Tag posaunt? Wollt ihr euch mit der Schaufel und Haue um einen Bissen trocken Brod abquälen? Wollt ihr an der Leute Fenster mit einem Bänkelsänger-Lied ein mageres Allmosen erpressen? oder wollt ihr zum Kalbsfell schwören — und da ist erst noch die Frage, ob man euren Gesichtern traut — und dort unter der milzsüchtigen Laune eines gebieterischen Korporals das Fegfeuer zum voraus abverdienen? oder bey klingendem Spiel nach dem Takt der Trommel spatzieren gehn, oder im Gallioten-Paradies das ganze Eisen-Magazin Vulkans hinterherschleifen? Seht, das habt ihr zu wählen, da ist es beysammen, was ihr wählen könnt!
Roller. So unrecht hat der Spiegelberg eben nicht. Ich hab auch meine Plane schon zusammen gemacht, aber sie treffen endlich auf eins. Wie wär's, dacht' ich, wenn ihr euch hinsetztet, und ein Taschenbuch oder einen Almanach, oder so was ähnlichs zusammensudeltet, und um den lieben Groschen recensirtet, wie's wirklich Mode ist?
Schufterle. Zum Henker! ihr rathet nah zu meinen Projekten. Ich dachte bey mir selbst, wie wenn du ein Pietist würdest, und wöchentlich deine Erbauungsstunden hieltest?
Grimm. Getroffen! und wenn das nicht geht, ein Atheist! Wir könnten die vier Evangelisten auf's Maul schlagen, liessen unser Buch durch den Schinder verbrennen, und so gieng's reissend ab.
Razmann. Oder zögen wir wider die Franzosen zu Felde — ich kenne einen Doktor, der sich ein Haus von purem Quecksilber gebauet hat, wie das Epigramm auf der Hausthüre lautet.
Schweizer. (Steht auf und gibt Spiegelberg die Hand.) Moriz, du bist ein grosser Mann! — oder es hat ein blindes Schwein eine Eichel gefunden.
Schwarz. Vortreffliche Plane! honnete Gewerbe! Wie doch die grossen Geister sympathisiren! Izt fehlte nur noch, daß wir Weiber und Kupplerinnen würden, oder gar unsere Jungferschaft zu Markte trieben.