Franz. Es war ein stiller, heiterer Abend, der letzte, eh er nach Leipzig abreiste, da er mich mit sich in jene Laube nahm, wo ihr so oft zusammensaßet in Träumen der Liebe — stumm blieben wir lang — zuletzt ergriff er meine Hand und sprach leise mit Thränen: ich verlasse Amalia, ich weiß nicht — mir ahnets, als hieß es auf ewig — verlaß sie nicht, Bruder! — sey ihr Freund — ihr Karl — wenn Karl — nimmer — wiederkehrt — (Er stürzt vor ihr nieder und küßt ihr die Hand mit Heftigkeit.) Nimmer, nimmer, nimmer wird er wiederkehren, und ich hab's ihm zugesagt mit einem heiligen Eide!
Amalia (zurückspringend.) Verräther, wie ich dich ertappe! In eben dieser Laube beschwur er mich, keiner andern Liebe — wenn er sterben sollte — siehst du, wie gottlos, wie abscheulich du — geh aus meinen Augen.
Franz. Du kennst mich nicht, Amalia, du kennst mich gar nicht!
Amalia. O ich kenne dich, von itzt an kenn ich dich — und du wolltest ihm gleich seyn? Vor dir sollt er um mich geweint haben? Vor dir? Ehe hätt' er meinen Namen auf den Pranger geschrieben! Geh den Augenblick!
Franz. Du beleidigst mich!
Amalia. Geh, sag ich. Du hast mir eine kostbare Stunde gestohlen, sie werde dir an deinem Leben abgezogen.
Franz. Du hassest mich.
Amalia. Ich verachte dich, geh!
Franz (mit den Füssen stampfend.) Wart! so sollst du vor mir zittern! mich einem Bettler aufopfern? (Zornig ab.)
Amalia. Geh, Lotterbube — itzt bin ich wieder bey Karln — Bettler, sagt er? so hat die Welt sich umgedreht, Bettler sind Könige, und Könige sind Bettler! — Ich möchte die Lumpen, die er anhat, nicht mit dem Purpur der Gesalbten vertauschen — der Blick, mit dem er bettelt, das muß ein groser, ein königlicher Blick seyn — ein Blick, der die Herrlichkeit, den Pomp, die Triumphe der Grosen und Reichen zernichtet! In den Staub mit dir, du prangendes Geschmeide! (Sie reißt sich die Perlen vom Hals.) Seyd verdammt, Gold und Silber und Juwelen zu tragen, ihr Grosen und Reichen! Seyd verdammt, an üppigen Maalen zu zechen! Verdammt, euren Gliedern wohl zu thun auf weichen Polstern der Wohllust! Karl! Karl! so bin ich dein werth — (Ab.)