Franz. Hum!
D. a. Moor. Geh, nimm die Bibel, meine Tochter, und lies mir die Geschichte Jakobs und Josephs! Sie hat mich immer so gerührt, und damals bin ich noch nicht Jakob gewesen.
Amalia. Welches soll ich euch lesen? (nimmt die Bibel und blättert.)
D. a. Moor. Lis mir den Jammer des Verlassenen, als er ihn nimmer unter seinen Kindern fand — und vergebens sein harrte im Kreis seiner eilfe — und sein Klage-Lied, als er vernahm; sein Joseph sey ihm genommen auf ewig —
Amalia. (liest.) »Da nahmen sie Josephs Rock, und schlachteten einen Ziegenbock, und tauchten den Rock in das Blut, und schickten den bunten Rock hin, und liessen ihn ihrem Vater bringen, und sagen: Diesen haben wir funden, siehe, ob's deines Sohnes Rock sey, oder nicht? (Franz geht plötzlich hinweg.) Er kannte ihn aber und sprach: Es ist meines Sohnes Rock, ein böses Thier hat ihn gefressen, ein reissend Thier hat Joseph zerrissen,«—
D. a. Moor (fällt auf's Kissen zurück.) Ein reissend Thier hat Joseph zerrissen!
Amalia (liest weiter.) »Und Jakob zerriß seine Kleider, und legte einen Sack um seine Lenden, und trug Leide um seinen Sohn lange Zeit, und all' seine Söhne und Töchter traten auf, daß sie ihn trösteten, aber er wollte sich nicht trösten lassen und sprach: Ich werde mit Leid hinunterfahren —«
D. a. Moor. Hör auf, hör auf! Mir wird sehr übel.
Amalia (hinzuspringend, läßt das Buch fallen.) Hilf Himmel! Was ist das?
D. a. Moor. Das ist der Tod! — Schwarz — schwimmt — vor meinen — Augen — ich bitt dich — ruf dem Pastor — daß er mir — das Abendmahl reiche — Wo ist — mein Sohn Franz?