Franz (aufgebracht.) Ha! wie das zehnfach, und wieder zehnfach geahndet werden soll! — Nicht meine Gemahlinn — die Ehre sollst du nicht haben. — meine Maitresse sollst du werden, daß die ehrlichen Bauernweiber mit Fingern auf dich deuten, wenn du es wagst und über die Gasse gehst. Knirsche nur mit den Zähnen — speye Feuer und Mord aus den Augen — mich ergötzt der Grimm eines Weibes, macht dich nur schöner, begehrenswerther. Komm — dieses Sträuben wird meinen Triumph zieren und mir die Wohllust in erzwungenen Umarmungen würzen — Komm mit in meine Kammer — ich glühe vor Sehnsucht — itzt gleich sollst du mit mir gehn. (will sie fortreißen)
Amalia (fällt ihm um den Hals.) Verzeih mir Franz! (wie er sie umarmen will, reißt sie ihm den Degen von der Seite und tritt hastig zurück.) Siehst du Bösewicht, was ich jetzt aus dir machen kann? — Ich bin ein Weib, aber ein rasendes Weib — wag es einmal mit unzüchtigem Griff meinen Leib zu betasten — dieser Stahl soll deine geile Brust mitten durchrennen, und der Geist meines Oheims wird mir die Hand dazu führen. Fleuch auf der Stelle! (Sie jagt ihn davon.)
Amalia.
Ah! wie mir wohl ist — Itzt kann ich frey athmen — ich fühlte mich stark wie das funkensprühende Roß, grimmig wie die Tygerinn dem siegbrüllenden Räuber ihrer Jungen nach — In ein Kloster, sagt er — Dank dir für diese glückliche Entdeckung! — Itzt hat die betrogene Liebe ihre Freystatt gefunden — das Kloster — das Kreuz des Erlösers ist die Freystatt der betrognen Liebe. (Sie will gehn.)
Herrmann (tritt schüchtern herein.)
Herrmann. Fräulein Amalia! Fräulein Amalia!
Amalia. Unglücklicher! Was störest du mich?
Herrmann. Dieser Zentner muß von meiner Seele, eh er sie zur Hölle drückt (wirft sich vor ihr nieder.) Vergebung! Vergebung! Ich hab euch sehr beleidigt, Fräulein Amalia.
Amalia. Steh auf! Geh! Ich will nichts wissen. (Will fort.)
Herrmann. (der sie zurückhält.) Nein! Bleibt! Bey Gott! Bey dem ewigen Gott! Ihr sollt alles wissen!