Leonore. Er will's, Rosa, ich weiß also genug, um gehorsam zu sein. Bella, genug, um ganz außer Furcht zu sein—Und doch! doch zittr' ich so sehr, Bella, und mein Herz klopft so schrecklich bang. Mädchen, um Gotteswillen! gehe keines von meiner Seite.

Bella. Fürchten Sie nichts. Unsre Angst bewacht unsern Fürwitz.

Leonore. Worauf mein Auge stößt, begegnen mir fremde Gesichter, wie
Gespenster hohl und verzerrt. Wen ich anrufe, zittert wie ein
Ergriffener und flüchtet sich in die dichteste Nacht, diese gräßliche
Herberge des bösen Gewissens. Was man antwortet, ist ein halber
heimlicher Laut, der auf bebender Zunge noch ängstlicher zweifelt, ob
er auch kecklich entwischen darf.—Fiesco?—Ich weiß nicht, was hier
Grauenvolles geschmiedet wird—Nur meinen Fiesco (mit Grazie ihre
Hände faltend) umflattert, ihr himmlischen Mächte!

Rosa (zusammengeschreckt). Jesus! Was rauscht in der Galerie?

Bella. Es ist der Soldat, der dort Wache steht. (Die Schildwache ruft außen: »Wer da?« Man antwortet.)

Leonore. Leute kommen! Hinter die Tapete! Geschwind! (Sie verstecken sich.)

Zwölfter Auftritt

Julia. Fiesco im Gespräch.

Julia (sehr zerstört). Hören Sie auf, Graf! Ihre Galanterieen fallen nicht mehr in achtlose Ohren, aber in ein siedendes Blut—Wo bin ich? Hier ist Niemand als die verführerische Nacht. Wohin haben Sie mein verwahrlostes Herz geplaudert?

Fiesco. Wo die verzagte Leidenschaft kühner wird, und Wallungen freier mit Wallungen reden.