Fiesco (scharf). Sie seien die Erstlinge meiner Tyrannei—Geh und verkündige ihnen Allen Erlösung.
Verrina. So machst du deine Sache nur halb, wenn du ihre Freude verlierst. Versuch' es und gehe selbst. Die großen Herren sind so selten dabei, wenn sie Böses thun; sollten sie auch das Gute im Hinterhalt stiften?—Ich dächte, der Herzog wäre für keines Bettlers Empfindung zu groß.
Fiesco. Mann, du bist schrecklich, aber ich weiß nicht, warum ich folgen muß. (Beide gehen dem Meer zu.)
Verrina (hält still, mit Wehmuth). Aber, noch einmal umarme mich, Fiesco! Hier ist ja Niemand, der den Verrina weinen sieht und einen Fürsten empfinden. (Er drückt ihn innig.) Gewiß, nie schlugen zwei größere Herzen zusammen; wir liebten uns doch so brüderlich warm—(Heftig an Fiescos Halse weinend.) Fiesco! Fiesco! du räumst einen Platz in meiner Brust, den das Menschengeschlecht, dreifach genommen, nicht mehr besetzen wird.
Fiesco (sehr gerührt). Sei—mein—Freund!
Verrina. Wirf diesen häßlichen Purpur weg, und ich bin's—Der erste
Fürst war ein Mörder und führte den Purpur ein, die Flecken seiner
That in dieser Blutfarbe zu verstecken—Höre, Fiesco—ich bin ein
Kriegsmann, verstehe mich wenig auf nasse Wangen—Fiesco—das sind
meine ersten Thränen—Wird diesen Purpur weg!
Fiesco. Schweig!
Verrina (heftiger). Fiesco—laß hier alle Kronen dieses Planeten zum Preis, dort zum Popanz all seine Foltern legen, ich soll knieen vor einem Sterblichen—ich werde nicht knieen—Fiesco! (indem er niederfällt) es ist mein erster Kniefall—Wirf diesen Purpur weg!
Fiesco. Steh auf und reize mich nicht mehr!
Verrina (entschlossen). Ich steh' auf, reize dich nicht mehr (Sie stehen an einem Brett, das zu einer Galeere führt.) Der Fürst hat den Vortritt. (Gehen über das Brett.)