Calcagno. Er hat es ernsthaft gesagt, Fiesco!
Fiesco. Freilich! freilich! Das war's eben. So trocken weg und so weinerlich. Der Spaß verliert Alles, wenn der Spaßmacher selber lacht. Mit einer wahren Leichenbittersmiene! Hätt' ich's je gedacht, daß der finstre Verrina in seinen alten Tagen noch ein so lustiger Vogel würde!
Sacco. Verrina, komm! Er ist nimmermehr unser.
Fiesco. Aber lustig weg, Landsmann. Laß uns aussehen wie listige
Erben, die heulend hinter der Bahre gehen und desto lauter ins
Schnupftuch lachen. Doch dürften wir dafür eine harte Stiefmutter
kriegen. Sei's drum, wir lassen sie keifen, und schmausen.
Verrina (heftig bewegt). Himmel und Erde! und thun nichts?—Wo bist du hingekommen, Fiesco? Wo soll ich den großen Tyrannenhasser erfragen? Ich weiß eine Zeit, wo du beim Anblick einer Krone Gichter bekommen hättest.—Gesunkener Sohn der Republik! du wirst's verantworten, daß ich keinen Heller um meine Unsterblichkeit gebe, wenn die Zeit auch Geister abnützen kann.
Fiesco. Du bist der ewige Grillenfänger. Mag er Genua in die Tasche stecken und einem Kaper von Tunis verschachern, was kümmert's uns? Wir trinken Cyprier und küssen schöne Mädchen.
Verrina (blickt ihn ernst an). Ist das deine wahre, ernstliche
Meinung?
Fiesco. Warum nicht, Freund? Ist es denn eine Wollust, der Fuß des trägen, vielbeinigen Thiers Republik zu sein? Dank' es Dem, der ihm Flügel gibt und die Füße ihrer Ämter entsetzt. Gianettino Doria wird Herzog. Staatsgeschäfte werden uns keine grauen Haare mehr machen.
Verrina. Fiesco?—ist das deine wahre, ernstliche Meinung?
Fiesco. Andreas erklärt seinen Neffen zum Sohn und Erben seiner
Güter, wer wird der Thor sein, ihm das Erbe seiner Macht abzustreiten?