Bertha (die Hände ringend). Barmherziger Himmel! das ist mein Vater nicht mehr.
Verrina (nach einer Pause mit bitterm Gelächter). Recht so! recht so! Memme Verrina!—daß der Bube in das Heiligthum der Gesetze griff—diese Aufforderung war dir zu matt—der Bube mußte noch ins Heiligthum deines Bluts greifen—(Springt auf.) Geschwind! rufe den Nicolo—Blei und Pulver—oder halt! halt! ich besinne mich eben anders—besser—Hole mein Schwert herbei, bet' ein Vaterunser. (Die Hand vor die Stirne.) Was will ich aber?
Bertha. Mir ist sehr bange, mein Vater.
Verrina. Komm, setzt dich zu mir. (Bedeutend.) Bertha, erzähle mir—Bertha, was that jener eisgraue Römer, als man seine Tochter auch so—wie nenn ich's nun—auch so artig fand, seine Tochter? Höre Bertha, was sagte Virginius zu seiner verstümmelten Tochter?
Bertha (mit Schaudern). Ich weiß nicht, was er sagte.
Verrina. Närrisches Ding—Nichts sagte er. (Plötzlich auf, faßt ein Schwert.) Nach einem Schlachtmesser griff er-Bertha (stürzt ihm erschrocken in die Arme). Großer Gott! was wollen Sie thun?
Verrina (wirft das Schwert ins Zimmer). Nein! noch ist Gerechtigkeit in Genua!
Eilfter Auftritt
Sacco. Calcagno. Vorige.
Calcagno. Verrina, geschwind! Mache dich fertig. Heute hebt die Wahlwoche der Republik an. Wir wollen früh in die Signoria, die neuen Senatoren wählen. Die Gassen wimmeln von Volk. Der ganze Adel strömt nach dem Rathhaus. Du begleitest uns doch, (spöttisch) den Triumph unsrer Freiheit zu sehen.