Julia. Der Graf hat Person—Welt—Geschmack. Der Graf war so glücklich, Connaissancen von Rang zu machen. Der Graf hat Temperament, Feuer. Nun reißt er sich warm aus dem delicatesten Zirkel. Er kommt nach Hause. Die Ehfrau bewillkommt ihn mit einer Werkeltagszärtlichkeit, löscht seine Gluth in einem feuchten, frostigen Kuß, schneidet ihm ihre Caressen wirthschaftlich, wie einem Kostgänger, vor. Der arme Ehmann! Dort lacht ihm ein blühendes Ideal—hier ekelt ihn eine grämliche Empfindsamkeit an. Signora, um Gotteswillen! wird er nicht den Verstand verlieren, oder was wird er wählen?
Leonore (bringt ihr eine Tasse). Sie, Madame, wenn er ihn verloren hat.
Julia. Gut. Dieser Biß sei in dein eigenes Herz gegangen. Zittre um diesen Spott, aber eh du zitterst, erröthe.
Leonore. Kennen Sie das Ding auch, Signora? Doch warum nicht? Es ist ja ein Toilettenpfiff.
Julia. Man sehe doch! Erzürnen muß man das Würmchen, will man ihm ein Fünkchen Mutterwitz abjagen. Gut für jetzt. Es war Scherz, Madame. Geben Sie mir Ihre Hand zur Versöhnung.
Leonore (gibt ihr die Hand mit vielsagendem Blick). Imperiali!—vor meinem Zorn haben Sie Ruhe.
Julia. Großmüthig, allerdings! Doch sollt' ich's nicht auch sein können, Gräfin? (Langsam und lauernd.) Wenn ich den Schatten einer Person bei mir führe, muß es nicht folgen, daß das Original mir werth ist? Oder was meinen Sie?
Leonore (roth und verwirrt). Was sagen Sie? Ich hoffe, dieser
Schluß ist zu rasch.
Julia. Das denk' ich selbst. Das Herz ruft nie die Sinne zu Hilfe.
Wahre Empfindung wird sich nie hinter Schmuckwerk verschanzen.
Leonore. Großer Gott! Wie kommen Sie zu dieser Wahrheit?