Romano. Es ist ein Maler schlechtweg, gnädiger Herr, Romano mit
Namen, der sich vom Diebstahl an der Natur ernährt, kein Wappen hat,
als seinen Pinsel, und nun gegenwärtig ist, (mit einer tiefen
Verbeugung) die große Linie zu einem Brutuskopfe zu finden.
Fiesco. Ihre Hand, Romano. Ihre Meisterin ist eine Verwandte meines
Hauses. Ich liebe sie brüderlich. Kunst ist die rechte Hand der
Natur. Diese hat nur Geschöpfe, jene hat Menschen gemacht. Was
malen Sie aber, Romano?
Romano. Scenen aus dem nervigten Alterthum. Zu Florenz steht mein sterbender Hercules, meine Kleopatra zu Venedig, der wüthende Ajax zu Rom, wo die Helden der Vorwelt—im Vatican wieder auferstehen.
Fiesco. Und was ist wirklich Ihres Pinsels Beschäftigung?
Romano. Er ist weggeworfen, gnädiger Herr. Das Licht des Genies
bekam weniger Fett, als das Licht des Lebens. Über einen gewissen
Punkt hinaus brennt nur die papierne Krone. Hier ist meine letzte
Arbeit.
Fiesco (aufgeräumt). Sie könnte nicht erwünschter gekommen sein. Ich bin heute ganz ungewöhnlich heiter, mein ganzes Wesen feiert eine gewisse heroische Ruhe, ganz offen für die schöne Natur. Stellen Sie Ihr Tableau auf. Ich will mir ein rechtes Fest daraus bereiten. Tretet herum, meine Freunde. Wir wollen uns ganz dem Künstler schenken. Stellen Sie Ihr Tableau auf.
Verrina (winkt den Andern). Nun merket auf, Genueser!
Romano (stellt das Gemälde zurecht). Das Licht muß von der Seite spielen. Ziehen Sie jenen Vorhang auf. Diesen lassen Sie fallen. Gut. (Er tritt auf die Seite.) Es ist die Geschichte der Virginia und des Appius Claudius.
(Lange ausdrucksvolle Pause, worin alle die Malerei betrachten.)
Verrina (in Begeisterung). Spritz zu, eisgrauer Vater!—Zuckst du,
Tyrann?—Wie so bleich steht ihr Klötze Römer—ihm nach, Römer—das
Schlachtmesser blinkt—Mir nach, Klötze Genueser—Nieder mit Doria!
Nieder! nieder! (Er haut gegen das Gemälde.)