Mohr (treuherzig.) Gelt, Fiesco? Wir Zwei wollen Genua zusammenschmeißen, daß man die Gesetze mit dem Besen aufkehren kann—Das hab' ich Euch nie gesagt, daß ich unter der hiesigen Garnison meine Vögel habe, auf die ich zählen kann, wie auf meine Höllenfahrt. Nun hab' ich veranstaltet, daß wir auf jedem Thor wenigstens sechs Creaturen unter der Wache haben, die genug sind, die Andern zu beschwätzen und ihre fünf Sinne unter Wein zu setzen. Wenn Ihr also Lust habt, diese Nacht einen Streich zu wagen, so findet Ihr die Wachen besoffen.

Fiesco. Rede nichts mehr. Bis jetzt hab' ich den ungeheuren Quader
ohne Menschenhilfe gewälzt; hart am Ziel soll mich der schlechteste
Kerl in der Rundung beschämen?—Deine Hand, Bursche! Was dir der
Graf schuldig bleibt, wird der Herzog hereinholen.

Mohr. Überdies noch ein Billet von der Gräfin Imperiali. Sie winkte mir von der Gasse hinauf, war sehr gnädig, fragte mich spöttelnd, ob die Gräfin von Lavagna keinen Anfall von Gelbsucht gehabt hätte? Euer Gnaden, sagt' ich, fragen nur einem Befinden nach, sagt' ich-Fiesco (hat das Billet gelesen und wirft es weg). Sehr gut gesagt; sie antwortete?

Mohr. Antwortete, sie bedaure dennoch das Schicksal der armen Wittwe, erbiete sich auch, ihr Genugthuung zu geben und Euer Gnaden Galanterieen künftig zu verbitten.

Fiesco (hämisch). Welche sich wohl noch vor Welt-Untergang aufheben dürften—Das die ganze Erheblichkeit, Hassan?

Mohr (boshaft). Gnädiger Herr, Angelegenheiten der Damen sind es zunächst nach den politischen-Fiesco. O ja freilich, und diese allerdings. Aber was willst du mit diesem Papierchen?

Mohr. Eine Teufelei mit einer andern auskratzen—Diese Pulver gab mir Signora, Eurer Frau täglich eins in die Chocolade zu rühren.

Fiesco (tritt blaß zurück). Gab dir?

Mohr. Donna Julia, Gräfin Imperiali.

Fiesco (reißt ihm solche weg, heftig). Lügst du, Canaille, lass' ich dich lebendig an den Wetterhahn vom Lorenzothurm schmieden, wo dich der Wind in einem Athemzug neunmal herumtreibt—die Pulver?