Gianettino (zurückfahrend). Ha!
Fiesco (zuvorkommend, verbindlich). Prinz, Sie überheben mich eines
Besuchs, den ich mir eben vorbehalten hatte-Gianettino. Auch mir,
Graf, konnte nichts Erwünschters als Ihre Gesellschaft begegnen.
Fiesco (tritt zu Julien, küßt ihr respectvoll die Hand). Man ist es bei Ihnen gewohnt, Signora, immer seine Erwartungen übertroffen zu sehen.
Julia. Pfui doch, das würde bei einer Andern zweideutig lauten—Aber ich erschrecke an meinem Negligé. Verzeihen Sie, Graf. (Will in ihr Kabinet fliegen.)
Fiesco. O bleiben Sie, schöne gnädige Frau! Das Frauenzimmer ist nie so schön, als im Schlafgewand, (lächelnd) es ist die Tracht seines Gewerbes—Diese hinaufgezwungenen Haare—Erlauben Sie, daß ich sie ganz durcheinander werfe.
Julia. Daß ihr Männer so gerne verwirret!
Fiesco (unschuldig gegen Gianettino). Haare und Republiken! Nicht wahr, das gilt uns gleichviel?—Und auch dieses Band ist falsch angeheftet—Setzen Sie sich, schöne Gräfin—Augen zu betrügen versteht Ihre Laura, aber nicht Herzen—Lassen Sie mich Ihre Kammerfrau sein. (Sie setzt sich, er macht ihr den Anzug zurecht.)
Gianettino (zupft den Lomellin). Der arme, sorglose Wicht!
Fiesco (an Juliens Busen beschäftigt). Sehen Sie—dieses verstecke ich weislich. Die Sinne müssen immer nur blinde Briefträger sein und nicht wissen, was Phantasie und Natur mit einander abzukarten haben.
Julia. Das ist leichtfertig.