Calcagno. Ich werde gewahr, daß du alle meine Schritte belauerst.
Sacco. Und ich beobachte, daß die mir alle verbirgst. Höre, Calcagno, seit einigen Wochen arbeitet etwas auf deinem Gesichte, das nicht geradezu just dem Vaterland gilt.—Ich dächte, Bruder, wir Beide könnten schon Geheimniß gegen Geheimniß tauschen, und am Ende hätte Keiner beim Schleichhandel verloren—Wirst du aufrichtig sein?
Calcagno. So sehr, daß, wenn deine Ohren nicht Lust haben, in meine Brust hinunter zu steigen, mein Herz dir halbwegs auf meiner Zunge entgegen kommen soll—Ich liebe die Gräfin Fiesco.
Sacco (tritt verwundernd zurück). Wenigstens das hätt' ich nicht entziffert, hätte ich alle Möglichkeiten Revue passieren lassen—Deine Wahl spannt meinen Witz auf die Folter, aber es ist um ihn geschehen, wenn sie glückt.
Calcagno. Man sagt, sie sei ein Beispiel der strengsten Tugend.
Sacco. Man lügt. Sie ist das ganze Buch über den abgeschmackten Text. Eins von beiden, Calcagno, gib dein Gewerb oder dein Herz auf-Calcagno. Der Graf ist ihr ungetreu. Eifersucht ist die abgefeimteste Kupplerin. Ein Anschlag gegen die Doria muß den Grafen in Athem halten und mir im Palaste zu schaffen geben. Während er nun den Wolf aus der Hürde scheucht, soll der Marder in seinen Hühnerstall fallen.
Sacco. Unverbesserlich, Bruder! Habe Dank. Auch mich hast du plötzlich des Rothwerdens überhoben. Was ich mich zu denken geschämt habe, kann ich jetzt laut vor dir sagen. Ich bin ein Bettler, wenn die jetzige Verfassung nicht übern Haufen fällt.
Calcagno. Sind deine Schulden so groß?
Sacco. So ungeheuer, daß mein Lebensfaden, achtfach genommen, am ersten Zehentheil abschnellen muß. Eine Staatsveränderung soll mir Luft machen, hoff' ich. Wenn sie mir auch nicht zum Bezahlen hilft, soll sie doch meinen Gläubigern das Fordern entleiden.
Calcagno. Ich verstehe—und am Ende, wenn Genua bei der Gelegenheit
frei wird, läßt sich Sacco Vater des Vaterlands taufen. Wärme mir
Einer das verdroschene Märchen von Redlichkeit auf, wenn der
Bankerott eines Taugenichts und die Brunst eines Wollüstlings das
Glück eines Staats entscheiden. Bei Gott, Sacco! ich bewundre in uns
Beiden die feine Speculation des Himmels, der das Herz des Körpers
durch die Eiterbeulen der Gliedmaßen rettet—Weiß Verrina um deinen
Anschlag?