Frau (eilt ihm nach, hängt sich an ihn). Der Präsident wird hieher kommen—Er wird unser Kind mißhandeln—Er wird uns mißhandeln—Herr von Walter, und Sie verlassen uns?

Miller (lacht wüthend). Verläßt uns! Freilich! Warum nicht?—Sie gab ihm ja Alles hin! (Mit der einen Hand den Major, mit der andern Luisen fassend.) Geduld, Herr! der Weg aus meinem Hause geht nur über diese da—Erwarte erst deinen Vater! wenn du kein Bube bist—Erzähl' es ihm, wie du dich in ihr Herz stahlst, Betrüger, oder, bei Gott! (Ihm seine Tochter zuschleudernd, wild und heftig.) Du sollst mir zuvor diesen wimmernden Wurm zertreten, den Liebe zu dir so zu Schanden richtete!

Ferdinand (kommt zurück und geht auf und ab in tiefen Gedanken). Zwar die Gewalt des Präsident ist groß—Vaterrecht ist ein weites Wort—der Frevel selbst kann sich in seinen Falten verstecken, er kann es weit damit treiben—weit!—Doch aufs Äußerste treibt's nur die Liebe—Hier, Luise! Deine Hand ist die meinige! (Er faßt diese heftig.) So wahr mich Gott im letzten Hauch nicht verlassen soll! —der Augenblick, der diese zwei Hände trennt, zerreißt auch den Faden zwischen mir und der Schöpfung!

Luise. Mir wird bange! Blick' weg! Deine Lippen beben! Dein Auge rollt fürchterlich-Ferdinand. Nein, Luise! Zittre nicht! Es ist nicht Wahnsinn, was aus mir redet. Es ist das köstliche Geschenk des Himmels, Entschluß in dem geltenden Augenblick, wo die gepreßte Brust nur durch etwas Unerhörtes sich Luft macht—Ich liebe dich, Luise—Du sollst mir bleiben, Luise—Jetzt zu meinem Vater! (Er eilt schnell fort und rennt—gegen den Präsident.)

Sechste Scene.

Der Präsident mit einem Gefolge von Bedienten. Vorige.

Präsident (im Hereintreten). Da ist er schon.

Alle (erschrocken).

Ferdinand (weicht einige Schritte zurück). Im Hause der Unschuld.

Präsident. Wo der Sohn Gehorsam gegen den Vater lernt?