Luise (zum Major mit Würde und Unwillen). Herr von Walter, jetzt sind Sie frei.
Ferdinand. Vater! Ehrfurcht befiehlt die Tugend auch im
Bettlerkleid.
Präsident (lacht lauter). Eine lustige Zumuthung! Der Vater soll die Hure des Sohns respectieren.
Luise (stürzt nieder). O Himmel und Erde!
Ferdinand (mit Luisen zu gleicher Zeit, indem er den Degen nach dem Präsidenten zückt, den er aber schnell wieder sinken läßt). Vater! Sie hatten einmal ein Leben an mich zu fordern—Es ist bezahlt. (Den Degen einsteckend.) Der Schuldbrief der kindlichen Pflicht liegt zerrissen da-Miller (der bis jetzt furchtsam auf der Seite gestanden, tritt hervor in Bewegung, wechselweis vor Wuth mit den Zähnen knirschend und vor Angst damit klappernd): Euer Excellenz—Das Kind ist des Vaters Arbeit—Halten zu Gnaden—Wer das Kind eine Mähre schilt, schlägt den Vater ans Ohr, und Ohrfeig um Ohrfeig—Das ist so Tax bei uns—Halten zu Gnaden.
Frau. Hilf, Herr und Heiland!—Jetzt bricht auch der Alte los—über unserm Kopf wird das Wetter zusammenschlagen.
Präsident (der es nur halb gehört hat). Regt sich der Kuppler auch?—Wir sprechen uns gleich, Kuppler.
Miller. Halten zu Gnaden. Ich heiße Miller, wenn Sie ein Adagio hören wollen—mit Buhlschaften dien' ich nicht. So lang der Hof da noch Vorrath hat, kommt die Lieferung nicht an uns Bürgersleut'. Halten zu Gnaden.
Frau. Um des Himmels willen, Mann! Du bringst Weib und Kind um.
Ferdinand. Sie spielen hier eine Rolle, mein Vater, wobei Sie sich wenigstens die Zeugen hätten ersparen können.