Wurm. Nichts bei uns, gnädiger Herr! Bei dieser Menschenart Alles—Und sehen Sie nun, wie schön wir Beide auf diese Manier zum Ziele kommen werden—Das Mädchen verliert die Liebe des Majors und den Ruf ihrer Tugend. Vater und Mutter ziehen gelindere Saiten auf, und durch und durch weich gemacht von Schicksalen dieser Art, erkennen sie's noch zuletzt für Erbarmung, wenn ich der Tochter durch meine Hand ihre Reputation wieder gebe.

Präsident (lacht unter Kopfschütteln). Ja, ich gebe mich dir überwunden, Schurke! Das Geweb' ist satanisch fein. Der Schüler übertrifft seinen Meister—Nun ist die Frage, an wen das Billet muß gerichtet werden? Mit wem wir sie in Verdacht bringen müssen?

Wurm. Nothwendig mit Jemand, der durch den Entschluß Ihres Sohnes
Alles gewinnen oder Alles verlieren muß.

Wurm (nach einigem Nachdenken). Ich weiß nur den Hofmarschall.

Wurm (zuckt die Achseln). Mein Geschmack wär' es nun freilich nicht, wenn ich Luise Millerin hieße.

Präsident. Und warum nicht? Wunderlich! Eine blendende Garderobe—Eine Atmosphäre von Eau de mille fleurs und Bisam—und jedes alberne Wort eine Handvoll Ducaten—und alles Das sollte die Delicatesse einer bürgerlichen Dirne nicht endlich bestechen können? O, guter Freund! so scrupulös ist die Eifersucht nicht! Ich schicke zum Marschall. (Klingelt.)

Wurm. Unterdessen, daß Ew. Excellenz dieses und die Gefangennehmung des Geigers besorgen, werd' ich hingehen und den bewußten Liebesbrief aufsetzen.

Präsident (zum Schreibpult gehend). Den Er mir zum Durchlesen heraufbringt, sobald er zu Stand sein wird. (Wurm geht ab. Der Präsident setzt sich zu schreiben; ein Kammerdiener kommt; er steht auf und gibt ihm ein Papier.) Dieser Verhaftsbefehl muß ohne Aufschub in die Gerichte—ein Andrer von euch wird den Hofmarschall zu mir bitten.

Kammerdiener. Der gnädige Herr sind so eben hier angefahren.

Präsident. Noch besser—aber die Anstalten sollen mit Vorsicht getroffen werden, sagt ihr, daß kein Aufstand erfolgt.