Luise. Also nicht, was noch kommen wird? (Wiederum Pause, worin sie den Secretär von oben bis unten ansieht.) Armer Mensch! du treibst ein trauriges Handwerk, wobei du unmöglich selig werden kannst. Unglückliche machen, ist schon schrecklich genug, aber gräßlich ist's, es ihnen verkündigen—ihn vorzusingen, den Eulengesang, dabei stehn, wenn das blutende Herz am eisernen Schaft der Nothwendigkeit zittert und Christen an Gott zweifeln—Der Himmel bewahre mich! Und würde dir jeder Angsttropfe, den du fallen siehst, mit einer Tonne Golds aufgewogen—ich möchte nicht du sein—Was kann noch geschehen?

Wurm. Ich weiß nicht.

Luise. Sie wollen nicht wissen?—Diese lichtscheue Bothschaft fürchtet das Geräusch der Worte, aber in der Grabesstille Ihres Gesichts zeigt sich mir das Gespenst—Was ist noch übrig?—Sie sagten vorhin, der Herzog wollte es auffallend ahnden? Was nennen Sie auffallend?

Wurm. Fragen Sie nichts mehr.

Luise. Höre, Mensch! Du gingst beim Henker zur Schule. Wie verstündest du sonst, das Eisen erst langsam bedächtlich an den knirschenden Gelenken hinaufzuführen und das zuckende Herz mit dem Streich der Erbarmung zu necken?—Welches Schicksal wartet auf meinen Vater? Es ist Tod in Dem, was du lachend sagst; wie mag Das aussehen, was du an dich hältst? Sprich es aus. Laß mich sie auf einmal haben, die ganze zermalmende Ladung. Was wartet auf meinen Vater?

Wurm. Ein Criminal-Proceß.

Luise. Was ist aber das?—Ich bin ein unwissendes, unschuldiges Ding, verstehe mich wenig auf eure fürchterlichen lateinischen Wörter. Was heißt Criminal-Proceß?

Wurm. Gericht um Leben und Tod.

Luise (standhaft). So dank' ich Ihnen! (Sie eilt schnell in ein
Seitenzimmer.)

Wurm (steht betroffen da). Wo will das hinaus! Sollte die Närrin etwa?—Teufel! Sie wird doch nicht—Ich eile nach—ich muß für ihr Leben bürgen. (Im Begriff, ihr zu folgen.)