Altoum. Steh ab, geliebter Sohn! Versuche nicht
Die Götter, die dir zweimal günstig waren.
Jetzt kannst du dein gerettet Leben noch,
Gekrönt mit Ehre, aus dem Divan tragen.
Nichts helfen dir zwei Siege, wenn der dritte
Dir, der entscheidende, mißlingt—Je näher
Dem Gipfel, desto schwerer ist der Fall.
—Und du—laß es genug sein, meine Tochter,
Steh ab, ihm neue Räthsel vorzulegen.
Er hat geleistet, was kein andrer Prinz
Vor ihm. Gib ihm die Hand, er ist sie werth,
Und endige die Proben.

(Zelima macht flehende, Adelma drohende Geberden gegen Turandot.)

Turandot. Ihm die Hand?
Die Proben ihm erlassen? Nein, drei Räthsel
Sagt das Gesetz. Es habe seinen Lauf.

Kalaf. Es habe seinen Lauf. Mein Schicksal liegt
In Götterhand. Tod oder Turandot!

Turandot. Tod also! Tod! Hörst du's?

(Sie steht auf und fährt auf die vorige Art zu declamieren fort.)

Wie heißt das Ding, das Wen'ge schätzen,
Doch ziert's des größten Kaisers Hand;
Es ist gemacht, um zu verletzen,
Am nächsten ist's dem Schwert verwandt.
Kein Blut vergießt's und macht doch tausend Wunden,
Niemand beraubt's und macht doch reich,
Es hat den Erdkreis überwunden,
Es macht das Leben sanft und gleich.
Die größten Reiche hat's gegründet,
Die ältsten Städte hat's erbaut;
Doch niemals hat es Krieg entzündet,
Und Heil dem Volk, das ihm vertraut.
Fremdling, kannst du das Ding nicht rathen,
So weich aus diesen blühenden Staaten!

(Mit den letzten Worten reißt sie sich ihren Schleier ab.)

Sieh her und bleibe deiner Sinne Meister!
Stirb oder nenne mir das Ding!

Kalaf (außer sich, hält die Hand vor die Augen).
O Himmelsglanz! O Schönheit, die mich blendet!