Altoum. So trete man den Zug zum Tempel an.
Der Fremde nenne sich, und auf der Stelle
Vollziehe man die Trauung—

Turandot (wirft sich ihm in den Weg). Aufschub, Vater!
Um aller Götter willen!

Altoum. Keinen Aufschub!
Ich bin entschlossen. Undankbares Kind!
Schon allzulang zu meiner Schmach und Pein
Willfahr' ich deinem grausamen Begehren.
Dein Urtheil ist gesprochen; mit dem Blut
Von zehen Todesopfern ist's geschrieben,
Die ich um deinetwillen morden ließ.
Mein Wort hab' ich gelöst, nun löse du
Das Deine, oder, bei dem furchtbarn Haupt
Des Fohi sei's geschworen—

Turandot (wirft sich zu seinen Füßen). O mein Vater!
Nur einen neuen Tag vergönnt mir—

Altoum. Nichts!
Ich will nichts weiter hören. Fort zum Tempel!

Turandot (außer sich).
So werde mir der Tempel denn zum Grab!
Ich kann und will nicht seine Gattin sein,
Ich kann es nicht. Eh tausend Tode sterben,
Als diesem stolzen Mann mich unterwerfen,
Der bloße Name schon, schon der Gedanke,
Ihm unterthan zu sein, vernichtet mich.

Kalaf. Grausame, Unerbittliche, steht auf!
Wer könnte Euren Thränen widerstehn? (Zu Altoum.)
Laßt Euch erbitten, Sire! Ich flehe selbst
Darum. Gönnt Ihr den Aufschub, den sie fordert.
Wie könnt' ich glücklich sein, wenn sie mich haßt!
Zu zärtlich lieb' ich sie—Ich kann's nicht tragen,
Ihr Leiden, ihren Schmerz zu sehn—Fühllose!
Wenn dich des treusten Herzens treue Liebe
Nicht rühren kann, wohlan, so triumphiere!
Ich werde nie dein Gatte sein mit Zwang.
O, sähest du in dies zerrißne Herz,
Gewiß, du fühltest Mitleid—Dich gelüstet
Nach meinem Blut? Es sei darum. Verstattet,
Die Probe zu erneuern, Sire—Willkommen
Ist mir der Tod. Ich wünsche nicht zu leben.

Altoum.
Nichts, nichts! Es ist beschlossen. Fort zum Tempel!
Kein anderer Versuch—Unkluger Jüngling!

Turandot (fährt rasend auf).
Zum Tempel denn! Doch am Altar wird Eure Tochter
Zu sterben wissen.

(Sie zieht einen Dolch und will gehen.)