Adelma. Gott sei's gedankt!—War eine Sklavin hier,
Mit trüglicher Vorspieglung Euch zu blenden?

Kalaf. Solch eine Sklavin war in Wahrheit hier,
Doch zog sie leer ab—wie auch du wirst gehn.

Adelma. Der Argwohn schmerzt, doch leicht verzeih' ich ihn.
Lernt mich erst kennen! Setzt Euch! Hört mich an,
Und dann verdammt mich als Betrügerin! (Sie setzt sich, er folgt.)

Kalaf. So redet denn und sagt, was ich Euch soll.

Adelma. Erst seht mich näher an—Beschaut mich wohl!
Wer denkt Ihr, daß ich sei?

Kalaf. Dies hohe Wesen,
Der edle Anstand zwingt mir Ehrfurcht ab.
Das Kleid bezeichnet eine niedre Sklavin,
Die ich, wo ich nicht irre, schon im Divan
Gesehen und ihr Los beklagt.

Adelma. Auch ich
Hab' Euch—die Götter wissen es, wie innig—
Bejammert, Prinz! Es sind fünf Jahre nun,
Da ich, noch selber eine Günstlingin
Des Glücks, in niederm Sklavenstand Euch sah.
Schon damals sagte mir's mein Herz, daß Euch
Geburt zu einem bessern Loos berufen.
Ich weiß, daß ich gethan, was ich gekonnt,
Euch ein unwürdig Schicksal zu erleichtern.
Weiß, daß mein Aug sich Euch verständlich machte,
Soweit es einer Königstochter ziemte. (Sie entschleiert sich.)
Seht her, mein Prinz, und sagt mir! Dies Gesicht,
Habt Ihr es nie gesehn in Eurem Leben?

Kalaf. Adelma! Ew'ge Götter! Seh' ich recht?

Adelma. Ihr sehet in unwürd'gen Sklavenbanden
Die Tochter Keicobads, des Königes
Der Karazanen, einst zum Thron bestimmt,
Jetzt zu der Knechtschaft Schmach herabgestoßen.

Kalaf. Die Welt hat Euch für todt beweint. In welcher
Gestalt, weh mir, muß ich Euch wieder finden!
Euch hier als eine Sklavin des Serails,
Die Königin, die edle Fürstentochter!