Elfter Auftritt
Gräfin Terzky. (kommt aus dem Seitenzimmer)
Nein! Ich kann's länger nicht—Wo sind sie? Alles
Ist leer. Sie lassen mich allein—allein
In dieser fürchterlichen Angst—Ich muß
Mich zwingen vor der Schwester, ruhig scheinen
Und alle Qualen der bedrängten Brust
In mir verschließen—Das ertrag ich nicht!
—Wenn es uns fehlschlägt, wenn er zu dem Schweden
Mit leerer Hand, als Flüchtling, müßte kommen,
Nicht als geehrter Bundesgenosse, stattlich,
Gefolgt von eines Heeres Macht—Wenn wir
Von Land zu Land wie der Pfalzgraf müßten wandern,
Ein schmählich Denkmal der gefallnen Größe—
Nein, diesen Tag will ich nicht schaun! und könnt'
Er selbst es auch ertragen, so zu sinken,
Ich trüg's nicht, so gesunken ihn zu sehn.
Zwölfter Auftritt
Gräfin. Herzogin. Thekla.
Thekla. (will die Herzogin zurückhalten)
O liebe Mutter, bleiben Sie zurück!
Herzogin.
Nein, hier ist noch ein schreckliches Geheimnis,
Das mir verhehlt wird—Warum meidet mich
Die Schwester? Warum seh ich sie voll Angst
Umhergetrieben, warum dich voll Schrecken?
Und was bedeuten diese stummen Winke,
Die du verstohlen heimlich mit ihr wechselst?
Thekla.
Nichts, liebe Mutter!
Herzogin.
Schwester, ich will's wissen.
Gräfin.
Was hilft's auch, ein Geheimnis draus zu machen!
Läßt sich's verbergen? Früher, später muß
Sie's doch vernehmen lernen und ertragen!
Nicht Zeit ist's jetzt, der Schwäche nachzugeben,
Mut ist uns not und ein gefaßter Geist,
Und in der Stärke müssen wir uns üben.
Drum besser, es entscheidet sich ihr Schicksal
Mit einem Wort—Man hintergeht Euch, Schwester.
Ihr glaubt, der Herzog sei entsetzt—der Herzog
Ist nicht entsetzt—er ist—
Thekla. (zur Gräfin gehend)
Wollt Ihr sie töten?