Gräfin.
O halt ihn! halt ihn!
Wallenstein.
Laßt mich!
Max.
Tu es nicht,
Jetzt nicht. Die blutig rasche Tat hat sie
In Wut gesetzt, erwarte ihre Reue—
Wallenstein.
Hinweg! Zu lange schon hab ich gezaudert.
Das konnten sie sich freventlich erkühnen,
Weil sie mein Angesicht nicht sahn—sie sollen
Mein Antlitz sehen, meine Stimme hören—
Sind es nicht meine Truppen? Bin ich nicht
Ihr Feldherr und gefürchteter Gebieter?
Laß sehn, ob sie das Antlitz nicht mehr kennen,
Das ihre Sonne war in dunkler Schlacht.
Es braucht der Waffen nicht. Ich zeige mich
Vom Altan dem Rebellenherr, und schnell
Bezähmt, gebt acht, kehrt der empörte Sinn
Ins alte Bette des Gehorsams wieder.
(Er geht. Ihm folgen Illo, Terzky und Buttler.)
Einundzwanzigster Auftritt
Gräfin. Herzogin. Max und Thekla.
Gräfin. (zur Herzogin)
Wenn sie ihn sehn—Es ist noch Hoffnung, Schwester.
Herzogin.
Hoffnung! Ich habe keine.
Max. (der während des letzten Auftritts in einem sichtbaren Kampf
von ferne gestanden, tritt näher).
Das ertrag ich nicht.
Ich kam hierher mit fest entschiedner Seele,
Ich glaubte, recht und tadellos zu tun,
Und muß hier stehen, wie ein Hassenswerter,
Ein roh Unmenschlicher, vom Fluch belastet,
Vom Abscheu aller, die mir teuer sind,
Unwürdig schwer bedrängt die Lieben sehn,
Die ich mit einem Wort beglücken kann—
Das Herz in mir empört sich, es erheben
Zwei Stimmen streitend sich in meiner Brust,
In mir ist Nacht, ich weiß das Rechte nicht zu wählen.
O wohl, wohl hast du wahr geredet, Vater,
Zu viel vertraut' ich auf das eigne Herz,
Ich stehe wankend, weiß nicht, was ich soll.
Gräfin.
Sie wissen's nicht? Ihr Herz sagt's Ihnen nicht?
So will ich's Ihnen sagen!
Ihr Vater hat den schreienden Verrat
An uns begangen, an des Fürsten Haupt
Gefrevelt, uns in Schmach gestürzt, daraus
Ergibt sich klar, was Sie, sein Sohn, tun sollen:
Gutmachen, was der Schändliche verbrochen,
Ein Beispiel aufzustellen frommer Treu,
Daß nicht der Name Piccolomini
Ein Schandlied sei, ein ew'ger Fluch im Haus
Der Wallensteiner.