Wallenstein. (tritt zwischen Max und Thekla, welche sich während dieser Zeit fest umschlungen gehalten) Scheidet!

Max. Gott! (Kürassiere mit gezogenem Gewehr treten in den Saal und sammeln sich im Hintergrunde. Zugleich hört man unten einige mutige Passagen aus dem Pappenheimer Marsch, welche dem Max zu rufen scheinen.)

Wallenstein. (zu den Kürassieren).
Hier ist er. Er ist frei. Ich halt ihn nicht mehr.
(Er steht abgewendet und so, daß Max ihm nicht beikommen, noch
sich dem Fräulein nähern kann.)

Max.
Du hassest mich, treibst mich im Zorn von dir.
Zerreißen soll das Band der alten Liebe,
Nicht sanft sich lösen, und du willst den Riß,
Den schmerzlichen, mir schmerzlicher noch machen!
Du weißt, ich habe ohne dich zu leben
Noch nicht gelernt—in eine Wüste geh ich
Hinaus, und alles, was mir wert ist, alles
Bleibt hier zurück—O wende deine Augen
Nicht von mir weg! Noch einmal zeige mir
Dein ewig teures und verehrtes Antlitz.
Verstoß mich nicht—
(Er will seine Hand fassen. Wallenstein zieht sie zurück. Er
wendet sich an die Gräfin.)

Ist hier kein andres Auge,
Das Mitleid für mich hätte—Base Terzky—
(Sie wendet sich von ihm; er kehrt sich zur Herzogin.)
Ehrwürd'ge Mutter—

Herzogin.
Gehn Sie, Graf, wohin
Die Pflicht Sie ruft—So können Sie uns einst
Ein treuer Freund, ein guter Engel werden
Am Thron des Kaisers.

Max.
Hoffnung geben Sie mir,
Sie wollen mich nicht ganz verzweifeln lassen.
O täuschen Sie mich nicht mit leerem Blendwerk,
Mein Unglück ist gewiß, und Dank dem Himmel!
Der mir ein Mittel eingibt, es zu enden.
(Die Kriegsmusik beginnt wieder. Der Saal füllt sich mehr und
mehr mit Bewaffneten an. Er sieht Buttlern dastehn.)
Ihr auch hier, Oberst Buttler—Und Ihr wollt mir
Nicht folgen?—Wohl! Bleibt Eurem neuen Herrn
Getreuer als dem alten. Kommt! Versprecht mir,
Die Hand gebt mir darauf, daß Ihr sein Leben
Beschützen, unverletzlich wollt bewahren.
(Buttler verweigert seine Hand.)
Des Kaisers Acht hängt über ihm und gibt
Sein fürstlich Haupt jedwedem Mordknecht preis,
Der sich den Lohn der Bluttat will verdienen;
Jetzt tät' ihm eines Freundes fromme Sorge,
Der Liebe treues Auge not—und die
Ich scheidend um ihn seh—
(Zweideutige Blicke auf Illo und Buttler richtend.)

Illo.
Sucht die Verräter
In Eures Vaters, in des Gallas Lager.
Hier ist nur einer noch. Geht und befreit uns
Von seinem hassenswürd'gen Anblick. Geht.
(Max versucht es noch einmal, sich der Thekla zu nähern.
Wallenstein verhindert es. Er steht unschlüssig, schmerzvoll;
indes füllt sich der Saal immer mehr und mehr, und die Hörner
ertönen unten immer auffordernder und in immer kürzeren Pausen.)

Max.
Blast! Blast!—O wären es die schwed'schen Hörner,
Und ging's von hier gerad ins Feld des Todes,
Und alle Schwerter, alle, die ich hier
Entblößt muß sehn, durchdrängen meinen Busen!
Was wollt ihr? Kommt ihr, mich von hier
Hinwegzureißen—o treibt mich nicht zu Verzweiflung!
Tut's nicht! Ihr könntet es bereun!
(Der Saal ist ganz mit Bewaffneten erfüllt.)
Noch mehr—Es hängt Gewicht sich an Gewicht,
Und ihre Masse zieht mich schwer hinab.—
Bedenket, was ihr tut. Es ist nicht wohlgetan,
Zum Führer den Verzweifelnden zu wählen.
Ihr reißt mich weg von meinem Glück, wohlan,
Der Rachegöttin weih ich eure Seelen!
Ihr habt gewählt zum eigenen Verderben,
Wer mit mir geht, der sei bereit zu sterben!
(Indem er sich nach dem Hintergrund wendet, entsteht eine
rasche Bewegung unter den Kürassieren, sie umgeben und begleiten
ihn in wildem Tumult. Wallenstein bleibt unbeweglich. Thekla
sinkt in ihrer Mutter Arme. Der Vorhang fällt.)

Vierter Aufzug