[17] Vom Schmerz weiss man bestimmt, wie manche Halbwilde uns schier unerträgliche Pein und Qualen auszuhalten vermögen, ohne das leiseste Zeichen von Schmerzempfindung zu geben. Wenn auch die dabei entfaltete Willensstärke nicht gering anzuschlagen sein mag, so sprechen doch die vielfachen Martern, welche sie sich selbst auferlegen, die mannigfachen Verstümmelungen, die sie oft um einer nichtssagenden Zier willen sich zufügen, die ausgesuchten Grausamkeiten, welche sie an ihren Feinden verüben, sattsam dafür, dass leiblicher Schmerz von ihnen weniger gefühlt wird, als von den nervösen Kulturvölkern. In unseren Augen möchte wohl schon oft der hundertste Teil der auszustehenden Qualen als empörende Scheusslichkeit empfunden werden. Da nun der Mensch stets von sich auf andere schliesst, so muss der Wilde selbst schon ein beträchtliches Mass von Schmerz ertragen können, wenn er es für nötig hält, dieses Mass, um seinen Feind zu quälen, in so barbarischer Weise zu steigern. Auch die Roheiten unserer eigenen Vergangenheit wurzeln sicherlich zum Teile in dem noch geringer entwickelten Nervensystem unserer Väter im Altertum und Mittelalter.

[18] Humboldts Reise in die Äquinoktial-Gegenden. Bd. III. S. 208.

[19] Globus. Bd. XIV. S. 260.

[20] Siehe Dr. Th. L. W. Bischoff. Das Gehirngewicht des Menschen. Eine Studie. Bonn, 1880.

[21] Gustave Le Bon. Recherches anatomiques et mathématiques sur les lois des variations du volume du cerveau et sur leurs relations avec l’intelligence. (Revue d’anthroprologie. 1879. S. 27–104.)

[22] A. a. O. S. 80 teilt Le Bon das Ergebnis seiner an 1200 Individuen angestellten Messungen des Schädelumfanges mit. Es ist wohl interessant genug, um hier eine Stelle zu finden. Darnach entfielen auf einen

Schädelumfang Gelehrte, Adel, Bürger
von 52–53   cm  0,0  0,0  0,6
53–54    2,0  3,7  1,9
54–55    4,0  9,2  6,2
55–56    6,0 12,8 14,0
56–57   18,0 28,5 24,5
57–58   36,0 22,0 24,5
58–59   18,0 12,8 14,9
59–60    8,0  8,3  7,6
60–61    6,0  1,8  3,3
61–62    2,0  0,0  1,8
62–62,5  0,0  0,9  0,7

[23] Gustav Jäger. Die Entdeckung der Seele. Leipzig, 1880. S. 31

[24] Mantegazza. Fisiologia del piacere. S. 39. Mit Bezugnahme auf das oben über den anatomischen Bau Bemerkte, lässt sich die Frage aufwerfen, ob nicht auch in dieser Hinsicht eine Art körperlicher Anpassung an die Anforderungen des Geisteslebens stattfinde. Im Tierreiche versagt sich das Weibchen innerhalb gewisser Zeiten nur selten dem verlangenden Männchen, seine Geschlechtsorgane sind, übereinstimmend damit, ihrer Lage nach weniger verborgen oder geschützt, zugänglicher als beim Menschen, bei dem, selbst auf rohester Stufe, nebst dem Naturtrieb noch andere Momente die weibliche Hälfte in Gewähr oder Versagen ihrer Gunst beeinflussen. Wer nun viel in anthropologischen und ethnologischen Schriften sich unter den Abbildungen wilder und daher noch ungebundener lebenden Menschenspezies umgesehen hat, dem mag es aufgefallen sein, dass bei solchen, wenn anders die Zeichnungen richtig sind, das ostium vaginae sichtbar erscheint in Stellungen, welche dies bei Weibern gesitteterer, nach unseren Begriffen züchtigerer Volksstämme nicht gestatten. Das Organ erscheint darnach weit mehr vorgerückt und zugänglich, viel weniger in die Leibeshöhle zurückgezogen, als z. B. bei den durch ihre Gesittung vielfach auf Versagen angewiesenen Europäerinnen. Vergleichende Messungen des weiblichen Perineums, die aber leider noch fehlen, könnten allein auf die interessante Frage Licht werfen.