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GRÖSSERES BILD
James’ Preß Agency, London
Abbildung 32
Der berühmte Orang-Utan „Sandy“ des Zoologischen Gartens in London
Er wurde als dreijähriges Tier gefangen und lebte 24 Jahre in Gefangenschaft. Die Backenwülste sind das Zeichen des alten Männchens
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Die gemeinsame Reise bietet ferner den Vorteil, daß die älteren Tiere, die den Weg schon wiederholt zurückgelegt haben und ihn daher kennen, die jungen Individuen leiten. Doch darf diesem Umstand nicht allzuviel Wert beigelegt werden, denn aus der Vogelzugforschung wissen wir, daß bei den einsam wandernden Arten, wie z. B. vielen Raubvögeln und dem Kuckuck, der junge Vogel ohne jede Führung die Winterherberge zu finden weiß, was offenbar auf einem angeborenen Richtungssinn beruht, worüber in dem Abschnitt, der die Tierwanderungen behandelt, schon ausführlich gesprochen wurde. So kommt man immer wieder darauf zurück, daß es hauptsächlich ein seelisches Verlangen ist, das die Tiere auf ihren Wanderungen zusammenschart; es ist der Geselligkeitstrieb, der zur Reisezeit in der Tierseele erwacht.
Symbiose. Krokodilwächter, Madenhacker
In Afrika lebt ein kleiner, etwa wachtelgroßer Regenpfeifer, der nach seiner absonderlichen Freundschaft mit dem Krokodil den Namen Krokodilwächter (Pluvialis aegyptius) trägt. Dieser harmlose Vogel hat sich mit dem ungeschlachten Krokodil vergesellschaftet. Er läuft unbesorgt auf dem Panzer des gefährlichen Reptils umher, um die daran haftenden Wasserinsekten und Würmer abzulesen und zu verspeisen. Ja er scheut sich sogar nicht, in den gewaltigen, aufgesperrten Rachen seines riesigen Freundes zu schlüpfen und die Blutegel, die sich an dessen Zahnfleisch angesaugt haben, als willkommenen Leckerbissen zu verzehren. Da kommt es bisweilen vor, daß das Krokodil seinen Rachen schließt. Der kleine Wicht duckt sich dann ganz ruhig in dem gefährlichen Gefängnis nieder und wartet, bis das Krokodil wieder den Rachen aufsperrt und seinen Wohltäter befreit. Der Vogel versteht es, mit großer Gewandtheit und Vorsicht sich vor den Bissen des Krokodils zu schützen. Vielleicht hat aber auch das Krokodil ein gewisses Gefühl für die Wohltaten des Vogels und vermeidet es, diesem ein Leid zuzufügen. Die innersten Regungen und Vorgänge in der Tierseele sind uns ja noch so wenig bekannt, daß es unendlich schwer ist, eine zutreffende Erklärung für derartige eigenartige Erscheinungen des Tierlebens zu geben. Die Wissenschaft hilft sich in solchen Fällen damit, von angeborenen, automatischen Triebhandlungen zu sprechen, die ohne Zweifel die Handlungen der Tiere in hohem Maße beeinflussen. Aber schließlich kann man nicht alles damit erklären. Wir können eben letzten Endes das Tier nicht fragen, und so werden viele Vorgänge vielleicht in ein ewiges Dunkel gehüllt bleiben. Das „Ignorabimus“ eines Du Bois hat vielleicht auch hier Gültigkeit.
Das Krokodil genießt aber noch einen zweiten Vorteil von dem Zusammenleben mit dem Vogel. Dieser ist sehr schreckhaft und läßt bei jeder verdächtigen Gelegenheit seinen Warnruf erschallen, der für das Krokodil ein Signal zur Flucht geworden ist. Es taucht sofort unter, wenn es die Stimme des Vogels vernimmt, um sich in Sicherheit zu bringen. Nach dieser Wirkung seiner Stimme, der sich der Vogel freilich nicht bewußt ist, hat er den Namen „Krokodilwächter“ erhalten.
Beide Tiere, sowohl der Vogel wie das Krokodil, haben von dem Zusammenleben einen unverkennbaren Vorteil. Der Vogel findet seine Nahrung an der Echse, und diese wird dadurch von den lästigen Schmarotzern befreit und zugleich durch die Stimme des Vogels vor Gefahren gewarnt. Wissenschaftlich nennt man eine derartige Gemeinschaft zweier verschiedener Tierarten, die auf einem gegenseitigen Nutzen beruht, Symbiose.
Eine Symbiose besteht ferner zwischen den Madenhackern, afrikanischen Starvögeln, und dem Elefanten, dem Nashorn sowie den Wiederkäuern. Die Vögel lesen diesen Tieren das Ungeziefer von der Haut ab.