Faulenzen noch im Bett herum.“
Unter den Arbeitsbienen ist die Art der Arbeit genau geregelt und verteilt. Jede Biene verrichtet nur eine ganz bestimmte Arbeit. In den ersten drei Wochen ihres Lebens versehen die Arbeiterinnen nur Arbeit im Innern des Stockes. Sie nehmen den vom Ausfluge zurückkehrenden Bienen den Blütenstaub und den aus dem Kropf gespienen Honig ab und füllen ihn in die Zellen. Andere Bienen bereiten Wachs aus dem Sekret ihrer Hinterleibsringe, wieder andere bauen Waben und verdeckeln die mit Honig gefüllten Zellen, nachdem die „Apotheker“ vorher ein Tröpfchen Ameisensäure hinzugesetzt haben, damit der Honig nicht verdirbt. Besondere „Straßenkehrer“ halten die Wohnung sauber und befördern den Unrat und die Leichen gestorbener Bienen hinaus. Die „Gesundheitspolizisten“ sorgen für eine gründliche Lufterneuerung, indem sie fortgesetzt mit den Flügeln fächeln, wobei etwa 400 Flügelschläge in der Sekunde erfolgen. Am Flugloch üben „Posten“ die Kontrolle aus und lassen nur Arbeitsbienen passieren, die zum Stock gehören, weisen aber fremde Eindringlinge ab.
Die Arbeitsbiene kennt während ihrer kurzen Lebensdauer, die nur wenige Wochen währt, nichts als Arbeit, die sie rastlos vom Morgen bis zum Abend verrichtet, nichts als selbstlose Arbeit für das Allgemeinwohl, für die Erhaltung des Staats. Gewaltige Moral und Ethik liegen in dem Geist, der das surrende Völkchen der Bienen beseelt.
Staatenbildung der Ameisen
Ebenso wie bei den Bienen herrscht im Ameisenstaat eine strenge Ordnung und Disziplin. Die Arbeiter sind nicht immer verkümmerte Weibchen, sondern bei manchen Arten auch begattungsunfähige Männchen. Ferner gibt es bei den Ameisen außer den Arbeitern noch eine besondere Kaste, die Soldaten. Sie haben einen sehr großen Kopf und sehr starke Kiefer. Sie bilden gewissermaßen das „stehende Heer“ des Ameisenstaates, dem die Verteidigung im Falle eines Angriffes obliegt. In Friedenszeiten verrichten sie auch gewisse Arbeiten, die für die schwächeren Arbeiter zu schwer sind. Sie zerkleinern harte Sämereien und große Insekten, die den Ameisen zur Nahrung dienen. Während den Arbeiterinnen der Bienen nur ein kurzes Dasein beschieden ist, können die Arbeiter und Soldaten der Ameisen mehrere Jahre leben.
Die Arbeiter bauen das Heim mit seiner Einrichtung, füttern die Königin und sorgen für die junge Brut. Puppen und Larven werden nach dem Alter gesondert und in verschiedenen Räumen untergebracht, auch je nach der Witterung bald in höhere, bald in tiefere Stockwerke des Baues gelegt, damit stets der richtige Grad von Wärme und Feuchtigkeit vorhanden ist. Den jungen Ameisen sind die Geschwister beim Ausschlüpfen behilflich, indem sie das Gewebe des Kokons durchbeißen.
Außerordentlich groß ist der Reinlichkeitssinn der Ameisen. Die Larven werden beleckt, geputzt und gesäubert. Auch an ihrem eigenen Körper duldet die Ameise nicht den geringsten Schmutz. Mit den Haaren ihrer Vorderfüße bürstet sie ihren Körper, und außerdem dient noch ein dornartiger Fortsatz an der Fußschiene zum Abschaben von Schmutz. Auch das Innere der Behausung wird stets sauber gehalten. Jeglicher Unrat wird sofort hinausgeschafft, tote Kameraden werden fortgetragen, bisweilen sogar regelrecht bestattet, indem man die kleine Leiche mit Erde überschüttet.
An den zahlreichen Ausgängen der Burg stehen Wachen. Sie alarmieren, sobald sie etwas Verdächtiges bemerken, und sofort eilen die Soldaten in großen Mengen herbei, um die Feste zu verteidigen. Die gegenseitige Verständigung erfolgt hierbei mit den Fühlern, mit denen sich die Ameisen berühren, wobei die Art der Berührung, die entweder durch schnelle Schläge oder sanftes Streicheln ausgeführt wird, über die Sachlage Aufklärung gibt. Manche Ameisen können auch durch Reiben von Körperteilen Geräusche erzeugen, die ebenfalls zur Verständigung gebraucht werden.
Sklaverei, Kriegführung, Viehhaltung der Ameisen
Die eigenartigste Erscheinung im sozialen Leben der Ameisen ist die Sklaverei. Manche Arten halten sich Hilfskräfte, die ihre eigenen Arbeiter unterstützen müssen — eine Einrichtung, die sonst nirgends im Leben der Tiere verbreitet ist, und die außer den Ameisen nur der Mensch kennt.