Erweist sich die Anzahl der Individuen in einer Kaste zu groß, so werden die überflüssigen Tiere einfach getötet, denn Faulenzer und unnütze Esser dulden die strengen Gesetze des Termitenstaates nicht, in dem eine mustergültige Ordnung und hervorragende Disziplin herrschen. —

Die Durchführung eines so hoch organisierten sozialen Lebens, das bis ins kleinste in straffer Disziplin geregelt ist, scheint ohne gegenseitige Verständigung der einzelnen Individuen kaum möglich, und so dürfen wir mit Recht annehmen, daß auch die Bienen, Ameisen und Termiten eine Sprache haben, mit der sie sich untereinander ihre Gefühle und Empfindungen mitteilen.

Da unter den Sinnen der Geruchssinn bei diesen Tieren am höchsten ausgebildet ist, so darf man vermuten, daß er bei der gegenseitigen Verständigung eine große Rolle spielt. Der Sitz des Geruchssinnes befindet sich bei den Bienen auf den Fühlern. Eine Arbeiterin hat auf jedem Fühler nicht weniger als 5000 Geruchsorgane, woraus die große Bedeutung des Geruchs für das Seelenleben der Biene am besten hervorgeht.

Verständigung der Termiten u. Ameisen

Unter den Termiten gibt es einige völlig blinde Arten, und trotzdem verrichten diese ihre Arbeiten genau so gut wie ihre sehenden Verwandten. Der bis zur höchsten Vollkommenheit entwickelte Geruch ersetzt den Mangel des Augenlichts. Die Tiere vermögen sich mit Hilfe des Geruchs so gut zu orientieren, daß sie durch das fehlende Sehvermögen nicht im geringsten beeinträchtigt werden. Auf ihren Raub- und Wanderzügen scheiden die blinden Termiten tropfenweise eine Flüssigkeit aus, die auf dem Erdboden antrocknet, und deren Geruch den nachfolgenden Termiten als Wegweiser dient und später auf dem Heimweg die Richtung zur Kolonie angibt.

Die Ameisen gebrauchen mit Vorliebe ihre Fühler zur Verständigung, indem sie sich gegenseitig betasten. Je nach dem Inhalt der Nachricht ist die Art der Berührung verschieden, so daß wir es hier mit einer wohlorganisierten „Fühlersprache“ zu tun haben. Außerdem verständigen sich die Tiere durch Geräusche, die sie durch Reiben von Körperteilen hervorbringen. Die Termiten klopfen zu diesem Zweck mit dem Kopf auf den Erdboden.

Mit der Erforschung der Bienensprache hat sich neuerdings v. Frisch[7] eingehend beschäftigt und ist dabei zu äußerst überraschenden und interessanten Ergebnissen gelangt.

Farbensinn der Insekten

Frisch hat zunächst durch Experimente nachgewiesen, daß die frühere, besonders von Heß vertretene Ansicht, daß die Bienen farbenblind seien, durchaus nicht zutrifft. Mit Ausnahme von Rot können die Bienen alle Farben erkennen, und die Farbenempfindlichkeit ihres Auges reicht sogar noch weit in das Ultraviolette hinein, wodurch der Mangel des Farbensinnes für Rot in gewisser Weise ausgeglichen wird. Dies gilt nicht nur für die Bienen, sondern für alle Insekten.

Die Rotblindheit der Insekten und andererseits die Wahrnehmung des ultravioletten Lichtes steht wohl mit den Farben der Blüten im engen Zusammenhang, denn in der Blütenflora ist gerade die rote Farbe im Gegensatz zu Weiß, Blau und Gelb sehr schwach vertreten, während eine stark ultraviolette Reflexion an Blumenblättern sehr verbreitet ist.