Das bekannteste Beuteltier ist das Känguruh, und jeder aufmerksame Besucher eines Zoologischen Gartens hat wohl schon einmal die Freude gehabt, ein junges Känguruh aus dem Beutel der umherspringenden Mutter herausschauen zu sehen. Außerdem gibt es Beutelwölfe, Beutelmarder, Beuteldachse, Beutelratten, Beutelspitzmäuse, Beuteleichhörnchen und Flugbeutler ([Abbildung 5]). Wir sehen also, daß ein großer Teil der Säugetiere in Australien in Form des Beuteltiers vorkommt, d. h. in einer ursprünglicheren Gestalt, in einer primitiveren Stufe der Entwicklung. Daß tatsächlich eine gewisse Beziehung zwischen den Beuteltieren Australiens und den entsprechenden Tierformen anderer Erdteile besteht, beweist die Feststellung des Gelehrten Hans Friedenthal, daß der Bau der Haare beider Tierformen der gleiche ist. Eine Beutelspitzmaus hat Spitzmaushaar, und der Beutelmaulwurf trägt Maulwurfsfell. Wohl nicht mit Unrecht hat man daher angenommen, daß die Säugetierwelt Australiens mit ihren eierlegenden Arten und mit den Beuteltieren in dem abgeschlossenen Erdteil auf einer früheren Entwicklungsstufe stehengeblieben ist. Australien ist das Land der „lebenden Fossilien“.

Der Dingo, ein Wildhund Australiens

Die einzigen Tiere, die als vollwertige Säuger aus der Reihe der Beuteltiere heraustreten, sind der Dingo, einige Fledermäuse und Ratten. Der Dingo ist zugleich die einzige in der Wildnis vorkommende Hunderasse. Er ist nicht wie Wolf, Schakal oder Fuchs ein naher Verwandter des Hundes, sondern ein echter Hund. Seine Farbe ist rot oder rot mit Schwarz und Weiß gemischt. Der Schwanz ist buschig und hat eine helle Spitze. Ob der Dingo wirklich ein ursprünglicher Wildhund ist, oder ob er, was wahrscheinlicher ist, vom Haushund abstammt, der erst vom Menschen nach Australien verpflanzt wurde und verwilderte, ist heute eine noch ungeklärte Frage. Den Aufschluß hierüber kann uns allein die Paläontologie geben. Freilich glaubt Frederick McCoy in der mittleren Tertiärschicht Australiens Reste des Dingo nachweisen zu können — eine Annahme, die freilich noch der Bestätigung bedarf. Erweist sie sich als richtig, dann ist der Dingo als Wildhund zu betrachten, denn daß er in der Tertiärzeit schon vom Menschen eingeführt sein sollte, ist kaum glaubhaft, zumal der tertiäre Mensch noch nicht nachgewiesen ist und, falls er gelebt hat, wohl noch keine Haustiere besessen hat.

Neben dem Dingo leben in Australien noch einige Fledermäuse und Ratten, die nicht Beuteltiere sind. Letztere sind jedenfalls erst später durch Schiffe eingeschleppt worden, und die Fledermäuse können infolge ihres Flugvermögens sich unschwer verbreiten. Ratten und Fledermäuse sind offenbar keine Schöpfungen der australischen Tierwelt, sondern erst später hierher gelangt.

Biotechnik

Die Organe der Tiere, auch die äußeren Gliedmaßen, sind zum Teil sehr sinnreich konstruierte Apparate, die sich mit wissenschaftlichen Instrumenten, wie sie in der Physik und Technik gebraucht werden, vergleichen lassen, so daß man geradezu von einer Biotechnik, einer Technik des Lebens, im Tierreich reden kann. —

Der Fisch führt im Wasser die verschiedensten Bewegungen aus. Er vermag mit und gegen die Strömung zu schwimmen, steigt in vertikaler Richtung ohne Flossenschlag auf und nieder, senkt sich auf den Boden herab, bleibt in jeder beliebigen Tiefe unbeweglich stehen, oder stellt sich sogar mit dem Kopf gegen den Strom, ohne von ihm fortgerissen zu werden. Eine derartige Anpassung an das Leben im Wasser verlangt eine ganz besondere Ausrüstung des Körpers.

Die Schwimmblase des Fisches

Ein wichtiges Organ für die Schwimmkunst der Fische ist die Schwimmblase, die eine vielseitige Bedeutung hat. Die Schwimmblase liegt unterhalb der Wirbelsäule unter den Nieren. Sie stellt entweder einen länglichen Sack dar oder ist durch Abschnürungen in zwei oder drei Kammern geteilt. Durch einen besonderen Gang steht sie meist mit dem Schlunde in Verbindung, kann aber auch ganz in sich abgeschlossen sein. Sie ist mit einem Gas gefüllt, das aus Sauerstoff (15%), Stickstoff (83%) und Kohlensäure (2%) besteht. Bei Tiefseefischen ist der Sauerstoffgehalt höher und beträgt bis 70%. Die Zusammensetzung des Gases ist also von der Beschaffenheit der Luft verschieden, und infolgedessen kann die Füllung der Schwimmblase, auch wenn diese mit dem Rachen verbunden ist, nicht durch die Außenluft erfolgen. Der in den Rachen führende Luftgang dient nur der Ausscheidung überflüssigen Gases. Fehlt diese Rachenverbindung, so werden die Gase durch ein besonderes Organ resorbiert, durch das „Oval“. Das Oval ist ein Knäuel von Blutgefäßen, die das Gas aufsaugen und in das Blut überführen. Die Blutgefäße können durch eine Muskelvorrichtung willkürlich geöffnet und geschlossen werden, je nachdem ihre Tätigkeit aufgenommen oder unterbrochen werden soll.

Die Gasfüllung der Schwimmblase geschieht durch zahlreiche Blutgefäße, „rote Körper“ genannt, welche vermittels besonderer Drüsen das aus dem Blut ausgeschiedene Gas hineinströmen lassen.