Friedrich v. Lucanus phot.
Abbildung 13
Rentier-Herde
in einem Lappenlager in Tromsoe
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GRÖSSERES BILD
Wenn wir im Frühjahr des Abends an einem Luch entlang wandern, dann hören wir aus der Höhe eigenartige Töne herabschallen, die an das Meckern einer Ziege erinnern. Es ist die Bekassine oder Himmelsziege, die ihren Balzflug in der Luft ausübt und diese sonderbaren Töne hervorbringt, die den fehlenden Gesang ersetzen sollen. Durch einwandfreie Untersuchung namhafter Ornithologen ist festgestellt worden, daß es sich auch hier nicht um Stimmlaute, sondern um Instrumentalmusik handelt. Die Bekassine bringt die Töne mit den Schwanzfedern hervor. Sie läßt sich im schrägen Bogen mit halb angezogenen Schwingen in der Luft ein Stück herunterfallen und spreizt die Schwanzfedern aus. Der Luftstrom, der unterhalb der Flügel nach rückwärts entweicht, trifft auf die äußeren Schwanzfedern und setzt sie in Schwingungen, welche einen surrenden Ton hervorrufen. Durch feine Zuckungen mit den Flügeln wird die Tonfolge fortlaufend unterbrochen, wodurch ein dem Meckern ähnliches Tremulieren entsteht. Aus dem Absturz schwingt sich der Vogel wieder in die Höhe, um das Spiel von neuem zu beginnen.
In einer Jagdzeitschrift behauptete jüngst ein Weidmann, daß er eine Bekassine beobachtet habe, die auf dem Erdboden sitzend meckerte, und zweifelte infolgedessen die Theorie des Schwanzmeckerns an. Dies ist jedoch ein Irrtum, der wohl dadurch veranlaßt wurde, daß gleichzeitig eine zweite Bekassine in der Nähe ihren Balzflug ausführte, was von dem Beobachter übersehen wurde. Daß die Bekassine die Töne tatsächlich mit den Schwanzfedern hervorbringt, ist durch eingehende Beobachtung und experimentelle Untersuchung festgestellt worden und unzweifelhaft richtig. Man kann das Meckern künstlich hervorrufen, wenn man eine äußere Schwanzfeder der Bekassine mit dem Kiel senkrecht auf einer biegsamen Rute befestigt und dann diese kräftig durch die Luft schwingt.
Die Tauben lassen beim Auffliegen ein laut klatschendes Geräusch erschallen, indem sie die Flügelspitzen über dem Rücken kräftig aneinanderschlagen. Man darf diese Instrumentallaute wohl als ein Warnsignal ansehen, das die Genossen zur Flucht veranlassen soll.
Eine sexuelle Bedeutung hat das Flügelklatschen, das der Ringeltäuber im Balzflug ausübt.
Bei der Indischen Baumente (Dendrocygna javanica) zeigt die erste Schwungfeder eine starke Ausbuchtung auf der Innenfahne, durch die im Fluge ein lautes, pfeifendes Geräusch hervorgebracht wird. Diese Feder ist also ein regelrechtes Musikinstrument, eine „Schallschwinge“, die zur gegenseitigen Verständigung dieser stimmlosen Enten dient, um im Fluge die Verbindung aufrechtzuerhalten.
Das Kaninchen, welches nur in höchster Lebensnot Klagetöne ausstößt, im übrigen aber fast stumm ist, warnt seine Genossen bei Gefahr durch lautes Aufschlagen mit den Hinterläufen auf den Erdboden. Sobald dies Signal ertönt, fahren alle in der Nähe befindlichen Wildkaninchen zu Bau.
Instrumentallaute der Fische