Tiefseetiere wurden noch in Tiefen zwischen 4000 und 5000 m aufgefunden. Aus diesen ungeheuern Tiefen holte die Valdivia-Tiefseeexpedition, die 1898 unter der Führung des Professors Chun stattfand, im antarktischen Meer Strahlentierchen und kleine Ruderfußkrebse herauf.
Das Fischen der Tiefseetiere erfolgt mit einem besonderen Netz, Dredsche genannt. Es schleift auf zwei eisernen Schlittenkufen und ist 10 m lang. Es wird mit zwei eisernen Oliven im Gewicht von zusammen 50 kg beschwert. Das Stahlkabel, an dem das Netz hängt, ist ca. 20 mm stark und hat eine Druckfestigkeit von 5000 bis 8000 kg. Die Kabeltrommel der Valdivia-Expedition faßte 10000 m Kabel.
Die Netze bestehen aus Seidengaze, die mit einem derben Überzug versehen ist. Es können also die kleinsten Lebewesen, die dem Plankton angehören, darin gefangen werden. Zum Fischen in bestimmten Tiefen werden besondere Schließnetze verwendet. Sie werden verschlossen versenkt, in einer bestimmten Tiefe, die untersucht werden soll, geöffnet und vor dem Hochziehen wieder verschlossen. Vor dem Fischen erfolgt stets eine Tiefenlotung. Sowohl das Loten wie das Fischen in großen Tiefen ist eine überaus mühevolle, sehr schwierige Arbeit, die viel Geschick für den Fischer und die Schiffsmannschaft erfordert, da das Schiff den Bewegungen der Apparate genau folgen muß. —
Leuchtkäfer
Leuchtorgane besitzen auch einige Käfer, die hiernach „Leuchtkäfer“ benannt sind. Nur die Männchen unserer Leuchtkäfer sind geflügelt, während die Weibchen nur kleine verkümmerte Flügel besitzen und ein wurmartiges Aussehen haben. Die Leuchtorgane befinden sich an den Bauchringen in verschiedener Gestalt. Sie treten als Platten, Punkte und Flecken auf. Das Leuchten beruht auf einer Zersetzung von Fettstoffen, wobei jedoch keine Wärme erzeugt wird. Sogar die Larven und die Puppen besitzen bei einigen Arten schon Leuchtorgane, und bei dem in unseren Breiten vorkommenden großen Leuchtkäfer (Lampyris noctiluca) leuchten sogar die Eier. Die Farbe des Lichtes wechselt je nach der Art zwischen einem reinen Weiß und einem grünlichen oder bläulichen Schein. Das Leuchten erfolgt entweder blitzartig mit schnellen Unterbrechungen oder, wie bei unseren Leuchtkäfern, als ein gleichmäßiges Glimmern.
Das Leuchten dient zur gegenseitigen Anlockung der Geschlechter. Sobald ein leuchtendes Männchen durch die Luft fliegt, dann werfen sich die in der Nähe befindlichen Weibchen auf den Rücken und strecken den Leib empor, um ihr Licht leuchten zu lassen und sich nach Möglichkeit dem begehrten Liebhaber bemerkbar zu machen.
Wo die Leuchtkäfer in großer Zahl auftreten, verwandeln die lebenden Lämpchen die Landschaft in ein Märchenland. Überall in Hecken, Büschen und auf dem Erdboden glühen die Lichter mit ihrem zierlichen Schein, während die geflügelten männlichen Käfer wie feine Leuchtkugeln durch die Luft schwirren — ein Zauber aus Tausendundeiner Nacht.
Wunderbar ist das Schauspiel der Leuchtkäfer in den Tropen, wo sie zu Tausenden und aber Tausenden die Berghänge und Flußufer bewohnen. Hier leben jene Arten, deren Leuchtorgane blitzartig aufleuchten. Die in tiefes Dunkel gehüllte Landschaft erstrahlt plötzlich in Tausenden und Millionen von Lichtern, die nach wenigen Augenblicken wieder erlöschen, ein wunderbares Spiel, das sich in kleineren und größeren Zwischenräumen die ganze Nacht hindurch wiederholt.
Leuchtorgane der Prachtfinken
In Australien lebt ein herrlich gefärbter kleiner Prachtfink, den der englische Ornithologe Gould seiner Frau zu Ehren Goulds Amadine (Munia gouldiae) benannte. Dieser reizende Vogel hat einen tiefschwarzen Kopf, der mit einem kobaltblauen Bande umgeben ist. Die Brust ist lilafarben, der Leib goldgelb, die ganze Oberseite grasgrün. Schnabel und Füße sind hellrosa. Die Farben des sehr glatten Gefieders gehen nicht allmählich ineinander über, sondern sind scharf abgesetzt, so daß der Vogel wie bemaltes Porzellan aussieht. Neben den schwarzköpfigen Vögeln kommen auch Vögel mit scharlachrotem Gesicht vor, die noch schöner und farbenprächtiger aussehen und die man daher „Wunderschöne Amadine“ genannt hat. Es hat sich jedoch herausgestellt, daß beide Formen nicht verschiedene Arten sind, sondern nur Mutationen, d. h. willkürliche Abänderungen ein und derselben Art. Die Mutationstheorie wurde zuerst von dem Botaniker de Vries im Jahre 1901 aufgestellt. Die Mutation, d. h. die plötzlich bei einer Tierart auftretende Veränderung ist eine erbliche Eigenschaft, die zu einer Umwandlung der Art führen kann. Die verschiedenen Formen werden wissenschaftlich „Mutanten“ genannt. Die schwarzköpfige und rotköpfige Form der Gouldsamadine sind also keine verschiedenen Arten, sondern Mutanten derselben Art.