Der König sprach nach seiner Weise noch viel, verständig, gemüthlich; hierauf von seiner Macht, seinem Rechte, seinem göttlichen Berufe. — Sagen Sie laut, rief er, daß ich so wahr mir Gott helfe, Alles thun will was zum Wohle meines Volkes gereicht, daß ich aber niemals auch nur einen Fingerbreit von meinen Grundsätzen abweichen werde, daß mich keine Macht der Welt jemals dazu vermögen wird. — — —
Mir vergingen, im hinteren Gliede stehend, von der unbeschreiblichen Gemüthsbewegung fast die Sinne, ich hörte nur, was der König über die Heilsamkeit der Mäßigung und allmäliger Entwickelung sagte, als er auf mich zu ging, mit der Hand auf meine Schulter schlug, und die meine ergreifend und schüttelnd, sagte: dies ist ein alter Professor der Geschichte; er wird bezeugen ob ich Recht habe. Das konnte ich, in Bezug auf seine zuletzt gesprochenen Worte, aus vollem Herzen; auch war mir jener Handschlag ein Zeichen, daß der Zorn des Königs über die akademische Rede ganz verschwunden, und er von meinem rechtlichen Benehmen in der Stadtverordnetenversammlung überzeugt sei. — Alle diese Betrachtungen kamen jedoch erst hintennach; in jenem schweren Augenblicke konnte Niemand an seine eigene unbedeutende Person denken.
Wir stellten endlich das Mildeste und Wesentlichste aus allen Reden des Königs zusammen, sodaß Bewilligungen, Versprechungen und Hoffnungen jeden Gemäßigten befriedigen konnten. Auch that diese von uns vorläufig auf dem Schloßplatze ausgesprochene Verkündigung die beste Wirkung, und die Berathung auf dem kölnischen Rathhause endete mit einem Vivat auf den König, dem selbst die, sonst zu Unruhe und Widerspruch nur zu geneigten Zuhörer, beistimmten. Ich habe bei dieser Gelegenheit auch gesprochen, aber in solcher Aufregung, daß mein Gedächtniß mir den Inhalt nicht vergegenwärtigt, und ich die Zeitungshalle darüber nachlesen muß. Voller Freuden vertheilten wir uns in der Stadt, das Erlangte zu allgemeiner Beruhigung mitzutheilen. Als ich heimkehrend über den Schloßplatz ging, hatte der König vom Balkone gesprochen, die Hüte in der Luft, Hurrahrufen, überall (so schien es) der glücklichste Ausgang. — Kaum aber hatte ich diese Kunde für — dem — mitgetheilt, kaum war ich zu Hause angelangt, als die furchtbare Botschaft von neuem Schießen und Einhauen anlangte. Sogleich legte ich meine Binde als Schutzbeamter um, und forderte mir bekannte, wohlgesinnte Bürger auf mir zu folgen, aber sie warfen mich buchstäblich in einen Laden und beschworen mich mein Leben nicht nutzlos aufzuopfern; es sei ganz unmöglich den Sturm zu beschwören. Gleichzeitig allgemeines Geschrei von Verrath und Errichtung unzähliger Barricaden.
Ueber die Gründe und den Hergang des neuen Angriffs auf dem Schloßplatze lauten die Aussagen, selbst der Augenzeugen, so verschieden, daß schon jetzt kaum die volle Wahrheit aufzufinden ist. Ich will nur das mir Wahrscheinliche zusammenstellen.
1) Die Generale, Officiere u. s. w. hielten es für eine Schmach, sich vor Leuten, welche Forderungen in gesetzwidriger Weise geltend machen wollten, zurückzuziehen und ihnen nachzugeben. —
2) Die gemeinen Soldaten waren durch Spott und Hohn aufs Höchste gereizt.
3) Manche Soldaten und Führer hielten das Vivatgeschrei für ein pereat und fürchteten die Bestürmung des Schlosses.
4) Den revolutionairen Unruhstiftern war ein friedlicher Ausgang durchaus ungelegen; sie thaten alles Mögliche, Unzufriedenheit mit dem Bewilligten hervorzurufen, und bezweckten einen großen, gewaltigen Aufstand.
5) Zu lange glaubte man auf dem Schlosse: man habe nur mit wenigem Pöbel zu thun, den einige Schüsse verscheuchen würden.