1) Hr. General Cavaignac bemerkte tadelnd, daß Mehre in Deutschland den Grundsatz der Nationalität übertrieben und von Erwerbung des Elsaß und Lothringens sprächen, wozu die eine und untheilbare Republik Frankreich niemals die Hand bieten, sondern sich ernstlich widersetzen werde. — Ich erwiderte: es sei nicht zu hindern, daß Einzelne derlei Reden führten, politisch hätten sie gar keine Bedeutung. Jener Grundsatz der Nationalität werde thöricht, sobald man ihn unbedingt in Deutschland, Frankreich, Österreich oder Italien zur Anwendung bringen wolle.

2) Hr. Minister Bastide sagte: er wolle gern mit mir über Italien sprechen, um so mehr, da ich schon wisse, wie gemäßigt die Absichten Frankreichs wären. Das Gespräch ward hier unterbrochen; ich sehe aber voraus, daß die Rede nächstens auf denselben Gegenstand kommen wird. Mit Bezug auf Hrn. Bastide’s frühere Äußerungen und meine persönliche Überzeugung bemerke ich Folgendes:

a) Dem Wunsche Deutschlands, an den Verhandlungen über Italien friedliebenden Antheil zu nehmen, wird man hier schwerlich etwas in den Weg legen.

b) Frankreich wird sich wahrscheinlich hinsichtlich der Gränzen und der Souverainetät nachgiebiger zeigen, sobald nur (nach Lamartine’s Worten) ernstlich wahrhaft nationale Einrichtungen von Österreich bewilligt und eingeführt werden.

c) Die Zerwürfnisse und das bald feige, bald leidenschaftliche, anarchische Treiben der Italiener machen hier den unangenehmsten Eindruck, und wenn dasselbe noch lange ohne Besserung fortdauert, wird man ihrer so überdrüßig werden, wie der Polen. Sagte doch schon Hr. B— wie soll man einem Volke helfen, das gar nicht versteht sich selbst zu helfen.

Wenn man in Frankfurt zu der Begeisterung nicht politische Klugheit und Mäßigung gesellt, wird die Versammlung in der europäischen Völkerfamilie bald ganz vereinzelt dastehen und nicht das Heil, sondern die Zerwürfniß Deutschlands herbeiführen. — So sprechen nicht blos die französischen, sondern auch die englischen Machthaber.

Ich will meinem gestrigen Briefe — — über meine Audienz beim Hrn. General Cavaignac heute noch Einiges zusetzen.

Hr. von Andrian schreibt mir in Bezug auf das ähnliche Ereigniß Folgendes aus London: „Lord Palmerston stellte mich der Königin vor, der Oberceremonienmeister begleitete mich bis an den Wagen und Alles erfolgte mit großer Würde und Feierlichkeit.“ —

Mich wollte Hr. Minister Bastide abholen. Da er aber bereits den ganzen Morgen bei Hrn. General Cavaignac beschäftigt war, bat er mich allein zu fahren, und das geschah dann nicht (wie ehemals) mit großem Gefolge und vielen sechsspännigen Wagen, sondern mit einem Zweispänner (sonst genügt mir ein Einspänner) und einem Bedienten, den ich (um 2 Fliegen mit einer Klappe zu schlagen) auch zu meinem Geheimen Sekretair und Kanzellisten erhoben habe.