Eine Partei (hoffentlich die stärkste im Ausschusse und in der Versammlung) will, im Vertrauen auf baldige preußische Entscheidungen, nicht über den Beschluß vom 11. April, das Festhalten an der Verfassung betreffend, hinausgehen.
Die zweite Partei will die Frage über das Oberhaupt bei Seite setzen, oder doch offen erhalten; — d. h. allen Planen der Österreicher und Demokraten die Thür öffnen.
Die dritte sucht die Nothwendigkeit zu erweisen, sogleich einen Wohlfahrtsausschuß zu ernennen u. s. w.
Nachdem alle kleineren deutschen Staaten sich unbedingt für die Annahme der Verfassung erklärt haben, Würtemberg, Hannover und Sachsen nicht ausbleiben können, Baiern sich bereits spaltet, und Österreich auf seinem alten Widerspruch beharrt, ist längere Halbheit und Unentschlossenheit nicht zu rechtfertigen.
Wenn verstockte Seelen die neue Zeit und ihre großen Aufgaben nicht begreifen, wenn Unwissende sich in falsche Wege verlocken lassen, wenn man das Privatmannsgewissen über den staatsmännischen Beruf hinaufsetzt, und die letzte Stunde, welche in diesen Tagen schlagen wird, versäumt: so wird in Deutschland Maß, Ordnung und Gehorsam noch weit schwächer werden, als es bereits ist.
Warum will der König mit den beiden Kammern und der zweiten Reichsversammlung nicht versuchen, was er (daneben stehend) mit der jetzigen nie zu Stande bringen wird? Warum die Wahlen nicht ausschreiben, statt sie von Anderen ausschreiben zu lassen; warum hier Gegner erzeugen und ihnen die Waffen in die Hände geben?
Hundertzweiundvierzigster Brief.
Frankfurt a. M., den 20. April 1849.
Gestern ward in der Reichsversammlung das Ihnen bereits bekannte Schreiben des Hrn. Camphausen an Hrn. v. Gagern verlesen. Obgleich Einzelne noch immer verzweifeln wollen, daß man nicht mit einem Sprunge zum Ziele kommt, machte es doch im Ganzen einen guten Eindruck, und Unbefangene konnten nicht verkennen, daß Preußen bereits auf ganz anderer Stelle steht, als am 3. April. Es hat sich in der uns erwünschten Richtung fortbewegt, und muß binnen kurzer Frist zu noch viel entscheidenderen Beschlüssen kommen.
Nach der preußischen ward gestern die unhöfliche österreichische Note vorgelesen; man konnte für jene keine bessere Beleuchtung, keine günstigere Folie bestellen und auffinden.