Wahrlich das Wunder der Leibnitz’schen, vorherbestimmten Harmonie müßte eintreten, wenn wir Alle harmonisch berathen und beschließen sollten! Gestern ist dies Wunder ausgeblieben, wie folgende Abstimmungen über Art und Dauer der Kaisergewalt zeigen. Es erklärten sich in Bezug auf die

Erblichkeit dafür 211 St., dagegen 263.
Lebenslänglich  „  39   „ 413.
Zwölfjährig  „  14   „ 264.
Sechsjährig  „ 196   „ 264.
Dreijährig  „ 120   „ 305.

Der Vorschlag, den Kaiser auf ein Jahr zu wählen, ward zurückgenommen.

So sind also alle Vorschläge ohne Ausnahme verworfen worden, woraus man die politische Unfähigkeit der frankfurter Versammlung und Entgegengesetztes begründen wird. Die Republikaner wollen die Versammlung auflösen, um durch neue Wahlen obzusiegen und Revolutionen herbeizuführen; die Absolutisten behaupten, es müsse nunmehr alles Nöthige allein durch die verschiedenen Regierungen geschehen. Beide Wege führen ins Verderben.

So wunderlich jene Abstimmungen auch erscheinen, ist doch kein Grund deshalb zu verzweifeln. Sie beweisen nur Unklarheit und Unreife, und selbst bis zur zweiten Lesung des Gesetzentwurfs werden Überlegungen und eintretende Thatsachen hoffentlich einem inhaltsreichen Ziele näher führen.

Merkwürdig ist es, daß die größte Minderzahl sich für die Erblichkeit aussprach; — obgleich sich die verschiedenartigsten Gegner Preußens dawider vereinigt hatten. Überhaupt zeigen sich die Sonderinteressen in der Paulskirche und den Klubs ebenso sehr wie außerhalb; und der unzählige Male verurtheilte Bundestag glaubt schon an eine fast unveränderte Auferstehung!

Gott segne die Wahlen für den neuen preußischen Reichstag! Da liegt die größte Gefahr!

Hunderterster Brief.

Frankfurt a. M., den 25. Januar 1849.