Ansicht und Schnitte des romanischen Baues.

Die Gewölbgurte werden von Halbpfeilern mit vorgelagerten Dreiviertelsäulen oder Diensten getragen (Abb. [2]). An die Halbpfeiler schließen sich auch seitlich Halbsäulen an, welche zur Aufnahme der Diagonalrippen bestimmt sind. Am Querschiff werden die Gewölbträger außen durch Strebepfeiler unterstützt. Dagegen fehlen die Strebepfeiler am Westchor, während wiederum an den Türmen Streben angebracht sind. Am Mittelschiff scheint durch je zwei Strebebögen Ersatz für die Strebepfeiler geschaffen worden zu sein, um dem etwaigen Schub des hohen Gewölbes nach außen Widerstand zu leisten. Ist hierbei nicht zu verkennen, daß der Baumeister von St. Sebald den Anlauf zu einer den wirkenden Kräften entsprechenden organischen Gliederung des Baues genommen hat, so muß andererseits auf die Inkonsequenz bei der Durchführung der gewollten Gliederung hingewiesen werden und zwar in Anbetracht der Stärke der Mittelschiffsjochmauern. Dieselben sollten eigentlich nur als Füllmauerwerk funktionieren, weshalb Mauern von bedeutend geringerer Stärke den gleichen Zweck erfüllt hätten. Nur bei den Bogenfeldern des Lichtgadens ist ein Versuch zur Entlastung des Mauerwerkes gemacht worden, indem dasselbe im Innern zurücktritt und die Schildbögen auf kleinen, an die Halbpfeiler angelehnten Säulchen ruhen.

Abb. 3. Innenansicht gegen den Westchor.

Was die Gliederung der Mittelschiffhochwand betrifft (Abb. [3]), so ist durch die Einführung des schmalen durchlaufenden Joches jeder Pfeiler Hauptpfeiler geworden und so eine enge Aneinanderreihung der Gewölbstützen ermöglicht. Die auf diese Weise schlank gewordenen Proportionen des Längsschnittes korrespondieren mit der starken Höhenentwicklung des Querschnittes. Einen wohltuenden Gegensatz zur starken vertikalen Gliederung bildet die dreigeschossige Anlage des Aufrisses. Die Arkaden werden durch Einsprünge abgestuft; die so entstandenen rechtwinkeligen Vorlagen ruhen auf Halbsäulen, welche aber ihrerseits von Konsolen getragen werden, so daß den Pfeilern die quadrate Grundrißform bleibt. Die Mauerfläche zwischen den Arkaden und dem Lichtgaden ist belebt durch ein über die Bögen hinlaufendes Gesims und darüber durch eine Galerie, welche nach Art des französischen Triforiums aus der Mauerdicke ausgespart ist (Abb. [4]). Die Bogenfelder des Lichtgadens sind, wie vorhin erwähnt, gegliedert und mit Rundbogenfenstern durchbrochen, so daß sich das Streben geltend macht, den an und für sich schweren, kräftigen Bau nach oben zu leichter erscheinen zu lassen.

Abb. 4. Triforien im Mittelschiff.