[I] Siehe Beilage 2.

[II] Dr. Hoffmann ist zwar der Ansicht, daß die Nennung der beiden Patrone der Kirche in der Urkunde vom 1. Oktober 1256 die Fertigstellung der beiden ihnen geweihten Chöre, also auch des Westchores, bereits voraussetze, somit der Tenor der Urkunde gegen die oben geltend gemachte Auffassung spreche. Die mit der Überarbeitung des Manuskriptes betraute Kommission konnte sich indessen dieser Ansicht um so weniger anschließen, als der Ablaßbrief vom 17. August 1274 deutlich von einer am 9. September 1273 stattgehabten Einweihung von Chor und Altar der Sebalduskirche berichtet. Dieses Datum (1273) mit baulichen Veränderungen anderer Art, die eine neue Weihe notwendig gemacht hätten, in Zusammenhang zu bringen, wie es Dr. Hoffmann wollte, schien der Kommission nicht angängig. Die das Innere der Kirche wenig berührenden baulichen Veränderungen, die Dr. Hoffmann im Auge hatte, nämlich der Ausbruch größerer Fenster und eine mutmaßliche Veränderung der Dachform beim Westchor, boten zu einer Neueinweihung sicherlich keine Veranlassung.

[III] Siehe Beilage 4


II.
Die gotische Bauperiode.

1. Die Erweiterung der Seitenschiffe und die Umbauten am Querschiff und Westchor. 1309–1361.

Am 14. Februar des Jahres 1309 erschien Friedrich Holzschuher, Gotteshauspfleger von St. Sebald, vor dem Schultheißen Siegfried von Kammerstein und den Schöffen der Stadt, um im Auftrage des Rats den Verkauf eines zum Kirchenvermögen der Sebaldkirche gehörigen Hauses „vor der badstuben bi dem fleischpenken“ an Herdegen Holzschuher und dessen Erben verbriefen zu lassen. In der vom Gericht ausgefertigten Kaufsurkunde ist der Zweck der Veräußerung jenes Hauses bei den Fleischbänken ausdrücklich angegeben: „swȧ daz wer durch des neuen poues wegen an sante Sebol[t]s kirchen, daz man den dest baz mȯcht volbringen an den apseiten“.[IV]

In der Literatur ist gewöhnlich als Grund für diese Bauveränderung der schlechte Zustand der Seitenschiffe bezeichnet, ja es wird sogar eine gefahrdrohende Baufälligkeit als unmittelbarer Anlaß vermutet.[15] Es ist nicht ersichtlich, wie vom ganzen romanischen Bau gerade die Seitenschiffe hätten schadhaft werden sollen, während alles übrige völlig intakt geblieben wäre.

Noch immer war damals die Sebaldkirche wie zur Zeit ihrer Gründung die einzige Pfarrkirche von Nürnberg. Denn soweit auch der für den südlichen Sprengel der Stadt bestimmte, im letzten Drittel des 13. Jahrhunderts begonnene Bau von St. Lorenz gediehen sein mochte, er scheint zu Beginn des 14. Jahrhunderts noch nicht dem Gottesdienst übergeben worden zu sein. Zudem hatte sich Nürnberg im 13. Jahrhundert gewaltig entwickelt. Schon vor Mitte desselben wurde mit der zweiten Ummauerung begonnen, welche nicht nur das bisherige befestigte Gebiet zwischen Burg und Pegnitz westlich und östlich vergrößerte, sondern auch einen beträchtlichen südlich der Pegnitz gelegenen Teil mit in das Stadtbild hereinnahm. Die Mauerzüge sind heute noch deutlich zu erkennen, der Weiße Turm und der Laufer Schlagturm sind Überreste dieser Befestigung.[16] Der Rückschluß auf den Zuwachs der Bevölkerung und Pfarrgemeinde läßt die Notwendigkeit einer Erweiterung der Pfarrkirche deutlich erkennen.