Abb. 2. Innenansicht gegen Osten.

Der in allgemeinen Umrissen soeben rekonstruierte ältere Bau von St. Sebald war eine doppelchörige, kreuzförmige Pfeilerbasilika. Das Langhaus bestand aus drei Schiffen, welche durch je fünf Scheidbögen voneinander getrennt waren.

Das Querschiff lag im Osten des Baues. Dieses, ein daran anschließendes Chorquadrat und drei vermutlich halbrunde Chornischen bildeten die Ostpartie.

Der Westchor schließt polygon ab und zwar mit fünf Seiten des Achteckes, das in diesem Falle jedoch nicht regulär gebildet ist. Ein Rechteck verbindet Westapsis mit Mittelschiff. Dieses Rechteck ist von einem Turmpaar flankiert.

Jeder der beiden Chöre ist, beziehungsweise war mit einer Krypta versehen. Während die des Westchores nur Apsis und das vorliegende Rechteck umfaßt, erstreckte sich die östliche über Apsis, Chorquadrat und Vierung. Da jede der beiden Krypten eine Erhöhung des über ihr liegenden Bodens bedingte, so war hiermit zugleich auch die Ausdehnung der Chöre festgelegt; und war schon durch die Anlage des Querschiffes im Osten dem Ostchor eine bevorzugte Stellung gegenüber dem Westchor eingeräumt, so wurde derselben durch die Ungleichheit der Bodenausdehnung der Chöre noch mehr Nachdruck verliehen. Andererseits ergab sich für den Ostchor durch die Krypta notwendigerweise eine Spaltung. Denn dadurch, daß auch der Boden des Vierungsquadrates erhöht und mit zum Chor einbezogen wurde, nahm man ihn aus dem Querschiff heraus und löste so die beiden Kreuzarme voneinander los. Dieselben waren also nicht mehr vom Mittelschiff aus, sondern eigentlich nur von den Seitenschiffen aus zugänglich und erhielten mit ihren Apsiden als Nebenchöre sowohl eine in sich abgeschlossene selbständige als auch dem Hauptchor gegenüber untergeordnete Stellung. Hatten so die Seitenschiffe an Bedeutung nichts eingebüßt, so gilt dies um so mehr für das Mittelschiff. Denn abgesehen davon, daß das an und für sich schon kurz geratene Langhaus durch das Vorhandensein eines Westchores im Innern an Ausdehnung verloren hat, wird die Bedeutung des Mittelschiffes noch mehr dadurch beeinträchtigt, daß es zum Verzicht auf das Vierungsquadrat gezwungen wurde, worauf es doch — und dies liegt im Wesen der kreuzförmigen Basilika begründet — denselben Anspruch hätte wie das Querschiff.

Das Gewölbe. Der ganze Bau war eingewölbt. Die noch vorhandenen Gewölbe bestehen durchgehends aus Bruchsteinen in starker Mörtelbettung, wobei häufig ein leichter Tuffstein der fränkischen Schweiz zur Verwendung gekommen ist.

Die bei der Wölbung angewandte Gattung ist die des Kreuzgewölbes mit profilierten Rippen.