Nun weiß man, wie viel Sonnenlicht den Jupiter oder sonst einen Planeten trifft und wie hell er uns demnach erscheinen müßte, wenn er das ganze Licht ungeschwächt auf uns zurückstrahlte. Je geringer nun sein Glanz im Verhältnis zu diesem eingestrahlten Licht ist, desto geringer ist sein Albedo und umgekehrt.
Die Erde hat eine Lufthülle, die so dünn ist, daß sie das meiste Licht durchläßt und wenig davon zurückwirft; erst der Erdboden wirft das Licht zurück, das ihn trifft, aber nur einen Teil davon, das meiste verschluckt er. Darum hat die Erde ein schwaches Albedo. Wäre sie mit einer Schneedecke bedeckt, dann würde ihr Albedo weit stärker, da der Schnee das Licht reichlich zurückstrahlt.
Eine recht dichte, dunstige und wolkige Lufthülle wirft das Licht ebenfalls stark zurück. Wenn daher ein Planet ein starkes Albedo hat, das heißt im Verhältnis zu seiner Bestrahlung durch die Sonne recht hell erscheint, nimmt man an, er habe eine besonders dichte Atmosphäre; dies ist vor allem bei Venus der Fall. Mars hat ziemlich das gleiche Albedo wie die Erde, und Merkur ist der einzige Planet, der ein geringeres Albedo aufweist, also eine dünnere Luft zu haben scheint.
Allerdings muß man dabei nicht vergessen, daß eine spiegelnde Oberfläche, eine Schneedecke oder etwa eigenes Licht, das der Planet noch ausstrahlen könnte, ebensogut das starke Albedo erzeugen können wie eine dichte Atmosphäre; völlige Sicherheit mangelt also auch diesen Schlüssen.“
„Hören Sie, Lord,“ bruddelte Schultze, sich höchst ärgerlich stellend: „Sie haben mich als Astronomen der Expedition angeworben; wenn Sie aber selber in der Astronomie so gründlich bewandert sind, dann sehe ich nicht ein, was für einen Zweck ich hier habe!“
„Beruhigen Sie sich,“ lachte Flitmore: „Mit einigen astronomischen Kenntnissen habe ich mich freilich versehen, da ich in die Sternenwelt reisen wollte; aber ich bin durchaus nicht auf dem ganzen Gebiete so beschlagen, wie Sie. Übrigens schadet es bei solcher Fahrt gar nichts, wenn mehrere oder alle Teilnehmer etwas von dieser Wissenschaft los haben. He! Münchhausen, entscheiden Sie als Sachverständiger in ganz ähnlichem Fall. Braucht ein Schiffskapitän vom Steuern eines Schiffes nichts zu verstehen?“
„Wo denken Sie hin!“ rief der Kapitän: „Einem solchen könnte das Kommando über ein Schiff nicht anvertraut werden; gründlich muß er’s verstehen und im Notfall selber das Steuerruder führen können.“
„Ist dann nicht ein Steuermann überflüssig, da der Kapitän ja seine Arbeit versehen könnte?“
„Unsinn! Einen ersten und einen zweiten Steuermann sogar braucht er höchst notwendig.“
„Da haben Sie’s, Professor,“ lachte der Engländer: „Das ist hier ein ganz ähnlicher Fall.“