Alle schauten auf und Münchhausen erklärte: „Das ist ja ein schöner Reinfall! Da sind wir am Ende auf einen ganz andern Planeten geraten, wohl gar auf einen vergletscherten Saturnmond. So geht es, wenn man ins Blaue hineinfährt und nicht einmal Ausschau halten kann, wohin man sich bewegt und was sich unter einem befindet! Oder ist der Saturngürtel verhext und kann sich unsichtbar machen mittelst der berühmten radioelektrischen Strahlen Manfreds von Rothenfels? Heda, Professorchen, lassen Sie Ihre wissenschaftliche Bogenlampe strahlen, wenn angesichts dieses rätselhaften Verschwindens bei Ihnen nicht, wie gewöhnlich, alle Wissenschaft sich aufhört!“

„I wo denn?“ erwiderte Schultze kühl: „Da hört sich die Wissenschaft doch gar nicht auf, ganz im Gegenteil! Das weiß jeder angehende Astronom, daß die Saturnringe auf dem größten Teil der Polarzone überhaupt nicht zu sehen sind, aus dem einfachen Grunde, weil sie unter dem Horizont stehen. Weiter südlich würden wir nur den äußeren Ring erblicken und erst beim Überschreiten des Polarkreises würden allmählich auch die inneren Reifen auftauchen: es ist also alles in Ordnung und war gar nicht anders zu erwarten.“

Eine merkwürdige Tatsache fiel Heinz hier noch auf, als er einen losen Eisblock zu heben versuchte: Der stattliche Brocken erwies sich als ganz unglaublich leicht im Verhältnis zu seiner Masse; da dies weder von einer geringeren Anziehungskraft des Planeten herrühren konnte, noch das Eis eine losere Struktur zeigte, als es beim irdischen Eise der Fall ist, mußte angenommen werden, daß das Eis auf dem Saturn und demnach wahrscheinlich auch das Wasser dort an und für sich weit weniger Gewicht oder Dichtigkeit habe als auf der Erde.

Nachdem sich alle von der seltsamen Leichtigkeit des Blocks überzeugt und das gleiche auch an andern Eisstücken festgestellt hatten, begaben sie sich wieder ins Innere ihres Fahrzeugs.

„Wir dürfen nicht mehr so planlos landen,“ erklärte der Engländer: „Wir müssen ein Mittel ersinnen, das uns aus der Lage befreit, hiebei nur ein Spielball des Zufalls zu sein. He, Professor! Strengen Sie Ihren großen Geist an und setzen Sie uns in den Stand, unsere Landungsstelle nach eigenem Gutdünken auszuwählen!“

Bevor Schultze recht begonnen hatte, sein Gehirn anzustrengen, trat Heinz Friedung mit folgendem Vorschlag hervor:

„Spannen wir ein Netz unmittelbar unter dem Fenster unseres Antipodenzimmers aus. In dieses Netz kann sich ein Beobachter legen; wird die Fliehkraft ausgeschaltet, so liegt er eben auf dem Bauch über dem Fenster, ist der Strom geschlossen, so fällt er auf den Rücken weich in das Netz zurück. Jedenfalls kann er andauernd die Saturnoberfläche im Auge behalten und uns im Zenithzimmer durch elektrische Klingelzeichen verständigen, ob wir steigen, fallen oder uns endgültig niederlassen sollen. Drei verabredete Zeichen genügen hiefür. Da übrigens außer dem elektrischen Läutewerk auch ein Telephon in jedem Zimmer vorhanden ist, kann er, wenn etwas Besonderes zu melden sein sollte, auch telephonische Nachricht geben.“

„Ausgezeichnet!“ lobte Schultze: „Den Beobachtungsposten will ich einnehmen.“

„Nichts da!“ protestierte Münchhausen: „Ich freue mich schon lange darauf, als Erster zu schauen, wie der Saturn aus nächster Nähe aussieht. Die Sonnenfinsternis hat mich um diese Hoffnung betrogen, jetzt will ich wenigstens als Beobachter im Mastkorb mein Ziel erreichen, wozu ich mich als alter Seemann auch am besten eigne.“

Der Professor schüttelte lachend den Kopf: „Ihr spezifisches Gewicht, edler Hugo, macht die Sache zu gefährlich; wie Spinnwebe würden die stärksten Netze reißen, wollten Sie sich ihnen anvertrauen.“